Nasera Rock

Ngorongoro Conservation Area / Nasara Rock

In der Nacht fängt es wieder an zu regnen. Als uns der Wecker um 6:30 weckt, ist es bereits wieder trocken und wir haben angenehmes Wetter.

Leider kommt aus der Dusche weiterhin nur kaltes Wasser und hat mich beim Haare waschen eine ziemliche Überwindung gekostet hat. Aber danach ist man so richtig wach und gut durchblutet. Das Wasser hier ist besonders, es kommt aus der Quelle vorm Zelt und der Natrongehalt ist sehr hoch. Das hat zur Folge, dass es sich seifig anfühlt. Beim Händewaschen hat man das Gefühl, als ob die Seife auf den Händen kleben bleibt und beim Haare waschen fühlt es sich an, als ob das Shampoo nicht ausgespült ist. In Anbetracht des kalten Wassers war ich schon etwas ungeduldig, aber die Haare waren dann sehr weich.

Um 7:15 Uhr wird uns das Frühstück zubereitet und dann fahren wir auch schon los. Eine lange Fahrt die uns heute zur Ngorongoro Conservation Area und zum Nasara Rock führt, liegt vor uns. Die Distanz wäre nicht so groß, aber es gibt in der Nähe keine Verbindung über den Fluss, daher müssen wir eine Umfahrung fahren. Wir fahren den ostafrikanischem Grabenbruch entlang. Die Straßenverhältnisse sind entsprechend schlecht und durch den Regen brechen immer wieder Straßen und neue Wege werden gebildet.

Wir bewundern Raji, mit welcher Leichtigkeit er sich zurecht findet und den Wagen navigiert. Er erzählt uns, dass er seine letzte Safari Corona bedingt im Dezember hatte und durch den Regen manche Straßen jetzt nicht mehr so verlaufen wie zuletzt. Er macht seinen Job großartig und ist so dankbar, dass er endlich wieder arbeiten darf.

Der Weg führt uns durch den Ort Sale, das ist der einzige Ort, indem das Sonjo Volk lebt, welches sich großteils von der Jagd ernährt. Als Kleidung tragen sie meist gelbe und blaue Tücher.

Unterwegs fahren wir immer wieder an Massaidörfern vorbei und auch entlang der Strecke sehen wir häufig die Massais mit ihren Tierherden herumziehen. Oft sind schon die kleinen Kinder alleine mit einem Stecken unterwegs und führen eine Herde von Ziegen über die Felder.

Raji erzählt uns, dass manche Massai Kinder in der Früh alleine mit den Tieren die Lehmhütten verlassen und erst zum Essen wieder nach Hause kommen. Die kleinen Knirpse sieht man inmitten der Herde oft gar nicht auf den ersten Blick. Wir erfahren auch, dass je Massaidorf eigentlich nur eine Großfamilie wohnt. Ein Massai darf beliebig oft heiraten und so wohnt er mit all seinen Frauen und Kindern in seinem Dorf. Wenn ein Sohn heiratet verlässt er das Dorf und bildet sein eigenes. Die Massais heiraten das erste Mal im Alter von ca. 18 Jahren, die Mädchen hingegen sind meist weitaus jünger. Nicht selten kommt es vor, dass sie bereits mit 14 Jahren verheiratet sind.

Wir fahren durch den Ort Malambo. Raji sagt, dass dies der letzte Ort für heute sein wird, ab jetzt folgt nur noch Wildnis. Es dauert auch nicht lange und wir sehen jede Menge Gazellen, Zebras und Giraffen.

Es ist traumhaft schön. Wir fahren wieder mit offenem Dach und können im Stehen die Tiere beobachten. Zu Mittag machen wir Halt unter einem Baum. Raji breitet auf der Motorhaube ein buntes Massaituch auf und darauf platzieren wir unsere Lunchboxes.

Picknick

Unterwegs bleiben wir immer wieder stehen und steigen aus um Tiere zu fotografieren. Raji zeigt uns einen Mistkäfer, der eine Kugel Mist vor sich her rollt, ein Loch in die Erde buddelt und die Kugel darin vergräbt.

Zwischendurch kommt auch immer wieder die Sonne raus und es ist angenehm warm.

Wir befahren bereits das Gebiet der Nogorongoro Conservation Area. Man sieht viele Gazellen und Gnus.

Es findet bereits die Migration statt. Die Tiere kommen im Oktober aus der Masai Mara und sind ab Dezember in der Serengeti und im Norden des Nogorongoro Gebietes. Dieses Gebiet ist riesengroß und sehr eben. Hier gab es mehrere Vulkane die implodiert sind, die Asche hat sich auf der Oberfläche verteilt und bildet einen nahrhaften Boden für Gräser und Pflanzen. Es regnet hier auch oft. Die Tiere zieht es hierher, weil sie hier genug zu fressen und trinken haben und gebären hier ihre Tiere. In Gebieten ohne genug Nahrung könnten die Muttertiere nicht genug Milch für ihren Nachwuchs produzieren und dieser hätte keine Überlebenschance. Es gibt hier auch spürbar mehr Mistkäfer. Ständig fliegt einer über das offene Dach zu uns herein. Einmal landet einer auf meinem nackten Unterschenkel, dann wieder irgendwo im Auto und wir sind ständig am Suchen und rauswerfen.

Das Wetter ist hier nicht vorhersehbar, es kann sehr schnell wechseln. Kaum darüber gesprochen, fängt es auch schon zu regnen an.

Binnen von Minuten steht überall das Wasser und die Sicht beim Fahren ist schlecht und man schlittert über die matschigen Wege. Wir kommen in unserem Zeltlager direkt neben dem Nasara Rock an.

Die Crew ist schon hier und hat das Lager bereits aufgebaut. Wir haben unser eigenes Zelt und ein WC und Duschzelt.

Darüberhinaus gibt es ein Zelt zum Kochen, eine Plane mit einem Esstisch für uns und je ein kleines Zelt für die Crew und unseren Guide. Wir werden herzlich empfangen und es hört zum Glück auch wieder zu regnen auf. Die Crew besteht aus dem Koch, Kellner und Campassistenten. Zusätzlich ist ein Massai hier, der in dem nahegelegenen Massaidorf lebt. Wenn man privat seine Zelte im Nirgendwo aufstellt, ist es üblich einen Massai von diesem Gebiet mit einzubinden, als Zeichen des Respekts sozusagen. Dieser Massai kommt dann mehrmals am Tag im Camp vorbei und sieht nach dem Rechten.

Nach dem Welcome Drink bekommen wir ein Camp Briefing von Raji. Er teilt uns mit, dass wir uns bei Tageslicht frei bewegen können, da die Löwen nur dann angreifen, wenn man sie in die Enge treibt, die Hyänen ohnehin Aasfresser sind und wenn dann auch nur Tiere angreifen und die Gnus und Gazellen harmlos und ängstlich sind. Sollten wir in der Nacht aufs WC müssen, gilt folgende Verhaltensregel. Beim Verlassen des Zeltes mit der Taschenlampe links und rechts vom Zelt Ausschau halten. Sieht man rote Augen (Raubtiere), die Taschenlampe ein- und ausschalten, da die Tiere oft verschwinden, wenn nicht, dann muss man sofort ins Zelt zurück. Bei silbernen Augen ebenfalls den Trick mit der Taschenlampe anwenden, diese Tiere sind aber harmlos. Leuchten Tieraugen auf höherer Ebene, ebenfalls sofort zurück ins Zelt, da es sich um ein großes Tier handelt. Sollte die nächtliche Notdurft verrichtet werden müssen und man kann nicht ins WC Zelt gehen, steht vor dem Schlafzelt ein kleiner Kübel. Also wir sind uns einig, dass wir beides zu verhindern versuchen.

Wir verstauen unsere Sachen erstmal im Zelt und wären jetzt bereit für einen Sundowner. Doch leider hat die Vorabbestellung nicht geklappt, denn weder der von uns bestellte Gin noch die Weine für die nächsten Tage im Camp wurden geliefert. Also gehen wir über zu Plan B und machen einen Spaziergang und umrunden den Nasara Rock. Ein wunderschöner Felsen in tollen Farben.

Eigentlich unglaublich, dass wir in the middle of nowhere ganz alleine gehen können, wir haben es uns viel gefährlicher vorgestellt. Aber das kommt auf die Gegend an und diese hier ist zum Glück harmlos.

Wir treffen wieder im Camp ein und zeitgleich setzt auch wieder der Regen ein. Mit dem von der Crew versprochenen Lagerfeuer wird es somit auch nichts und der Sonnenuntergang wird auch nicht zu sehen sein. Dafür zeigen sich schöne, rosa gefärbte Blitze am Himmel.

Das Abendessen wird uns serviert. Drei köstliche Gänge und sogar die Teller sind gut vorgewärmt. Unfassbar, was der Koch unter reduzierten Umständen zaubert.

Während wir essen, steuern uns riesige Nachfalter an. Mit einer Länge von 8 cm und Breite von ca. 3 cm, haben wir noch nie so große, plumpe Falter gesehen. Die Petroleumlampe und das Kerzenlicht zieht sie an, doch ohne Licht ist es nicht möglich irgendetwas zu sehen. Sie bombardieren uns abwechselnd und fliegen in unser Essen. Nach dem Essen zeigen sich die ersten Riesenkäfer. Schwarze, kugelrunde, glänzende Käfer, die gut 6 Zentimeter groß sind und sich noch größer machen, indem sie die Flügel aufblasen. Sie sind noch dazu dumm, sie fliegen gegen die Plane und landen auf uns oder steuern uns direkt an. Wir sind scheinbar beide keine Hardcore Naturmenschen und die Größe dieser Tiere ist wirklich gewöhnunsbedürftig.

Nachdem der Regen nicht enden mag und es dann zu kalt ist, um draussen zu sitzen, gehen wir mit der Taschenlampe bewaffnet zum Zelt zurück. Unter dem Vordach ist unser Waschplatz. Wir richten unser Waschzeug her, als uns plötzlich mehrere von den großen Käfern bombardieren. Wir kommen nicht mehr nach sie abzuwehren und so sehr uns graut vor diesen Kreaturen, so sehr müssen wir lachen. Also putzt einer die Zähne, während der andere die Käferabwehr übernimmt. Eine Herausforderung war es auch, ins Zelt zu kommen, ohne dass ein Käfer mit reinfliegt. Wir haben es geschafft und sind heilfroh. Jetzt bauen wir noch die Einzelbetten auf ein Doppelbett um und fallen mit vielen neuen Eindrücken ins Bett. Es ist ziemlich kalt, aber die warmen Decken wärmen ausreichend. Die Käfer vorm Zelt geben nicht auf und fliegen alle paar Sekunden gegen unser Zelt. Es hat sich jedesmal angehört als würden sie im Inneren landen und um sicherzugehen, dass das nicht der Fall ist, haben wir mehrmals die Taschenlampe angemacht. Erst dann konnten wir beruhigt einschlafen.

Usiku mwema Nasara Rock

Flamingos bei Lake Natron

Byebye Lake Manyara

Um 3 Uhr wurden wir von heftigen Donnergeräuschen und Blitzen geweckt und es regnet heftig. Schnell schauen wir, ob es durch die Netzfenster reinregnet und wir gegebenenfalls die Planen vorhängen müssen. Aber der Regen scheint gerade zu fallen, so tritt kein Wasser ein. Plötzlich geht das Licht aus, Stromausfall. An viel Schlaf war dann nicht mehr zu denken. Es erinnerte mich an die Gewitter in meiner Kindheit, wenn wir in Omas Haus waren. Es war so laut ohne Fenster und der Regen prasselt laut auf das Zeltdach. Um 6 Uhr ist heute Tagwache, da wir von unserer Terrasse aus den Sonnenaufgang sehen möchten. Aufgrund der Nähe zum Äquator geht die Sonne immer um 6 Uhr auf und um 18 Uhr wieder unter. Vom Sonnenaufgangs ist aufgrund des anhaltenden Regen nichts zu sehen und Strom gibt es nach wie vor nicht. Mit einer kleinen schwachen Stirnlampe und der Handytaschenlampe gehts zur Dusche. Selbst die Kontaktlinsen schaffen es trotz mangelnder Beleuchtung in die Augen, der Tag ist gerettet.

Nach dem Frühstück warten schon die Massais auf uns und bringen unsere Taschen zum Auto. Wir fahren mit Raji zum Lake Natron, dort soll es jede Menge Flamingos geben. Es gibt allerdings noch ein Problem mit dem Wagen und so machen wir einen kurzen Stopp bei der Werkstatt. Sofort laufen ein paar Männer herbei und nach einem kurzen Blick in die Motorhaube ist das Problem behoben.

Ein letzter Halt bei der Tankstelle ist noch notwendig. Bei dieser laufen einige Hühner frei herum, ein witziger Anblick dies Tankstellenfreilufthühner. Auf der Fahrt erzählt uns Raji Wissenswertes über die Tiere, die Menschen und die Gegend. Er erinnert uns auch daran, jederzeit stehenbleiben zu können um Fotos zu machen.

Die Straßenverhältnisse erweisen sich heute als äußerst schwierig. Die Straßen sind teilweise überflutet und wir müssen eine andere Route wählen und die Fahrbahn ist sehr schmierig und rutschig und wir werden kräftig durchgeschüttelt.

Aber Radji ist ein erfahrener Fahrer und kann mit der Situation sehr gut umgehen und hat uns entsprechend vorgewarnt und unmittelbar nach der Abfahrt die Frage gestellt: „Are you ready for the adventure?“

Zwischendurch machen wir einen Halt beim Valley. Da steuert auch schon ein Massei mit einer Ziege um den Hals auf uns zu und möchte sie uns verkaufen. Er möchte dafür 30 US Dollar, sieht aber ein, dass wir sie nicht mit auf Safari nehmen können.

Da ruft uns ein Massai Mädchen vom Valley unten zu und hastet den Berg herauf. Wir sind erstaunt, wie schnell sie das schafft. Als sie merkt, dass Raji nur Suaheli aber nicht die Sprache der Massai spricht, zeigt sie sich plötzlich schüchtern. Sie möchte sich aber gerne fotografieren lassen und nimmt von uns eine Banane und Kracker mit Freude an.

Zu den Massais hat uns Raji auch einiges erzählt.

Sie leben mit ihren Familien in ihren Dörfern, die meist aus runden Lehmhäusern bestehen. Die meisten von ihnen tragen selbstgefertigte Schuhe. Dafür wird ein Stück von einem alten Auto- oder LKW-Reifen geschnitten, mit dem Reifenprofil nach unten bildet dieses Stück die Sohle. Aus den glatten Stücken bzw. aus Lederteilen werden Riemen zugeschnitten und schon sind die Sandalen fertig. Dieses Schuhwerk ist ein Allrounder, sie besteigen damit die Berge, gehen durchs Wasser und haben genug Halt, wenn sie über Steine laufen. Massais essen nur die eigenen Tiere, also Kühe, Ziegen und Hühner. Gnus und Fische zum Beispiel würden sie niemals essen. Ein Tier aus ihrer Zucht verkaufen sie nur dann, wenn sie Geld brauchen. Die meisten Völker kommen mit sehr wenig aus, sie leben meist ohne Strom in den Villages. Die Frauen und Kinder verkaufen Perlenschmuck und Ketten jeglicher Art. Die Kinder der Massais gehen nur dann zur Schule, wenn diese ein paar Kilometer entfernt und zu Fuß erreichbar ist, oder wenn die Kinder von anderen Familien aufgenommen werden, die in Schulnähe wohnen. Die Massais sind sehr stolz, das es schon zwei Massais in die Regierung geschafft haben.

In Tansania gibt es drei Arten von Schulen. Die International School, die jenen Kindern vorbehalten ist, deren Eltern ausserhalb von Tansania kommen und hier in einem Konzern arbeiten. Es gibt auch diverse Privatschulen, in denen der Unterricht in englischer Sprache erfolgt und die öffentlichen Schulen in denen der Unterricht in Suaheli abgehalten und zusätzlich ein paar Stunden Englisch unterrichtet wird, also vergleichbar mit dem klassischen österreichischen Schulsystem. Für die Kinder der Privatschulen gibt es einen Schulbus, jene der öffentlichen Schule müssen zu Fuß gehen oder versuchen per Autostop voranzukommen. Es ist wirklich seltsam, wenn man sieht, wie die kleinen Zwerge am Straßenrand stehen und versuchen ein Auto anzuhalten.

Wir sind jetzt schon seit Stunden unterwegs und treffen auf der Straße viele Massais, die ihre Herden hüten oder andere, die mit Kübeln bepackt, zu Fuß einige Kilometer zum Markt in das Village „Water never dries“ gehen. Das Village heißt deshalb so, weil es hier niemals ganz trocken wird. Das Wasser kommt das ganze Jahr über vom Berg runter ins Tal.

Auf der Straße treffen wir immer wieder auf Gnus, jede Menge Zebras, Störche und Giraffen. Die Giraffen sind besonders scheu. Solange wir im Auto sitzten, schauen sie neugierig zu uns, doch sobald wir aussteigen und uns nähern, werden sie nervös und laufen weiter. Giraffen haben in Tansania zwei Feinde: die Menschen, die sie gelegentlich mal der Haut und des Fleisches wegen jagen und die Löwen. Löwen greifen an, wenn Giraffen trinken, weil sie da den Kopf und Hals nahe des Bodens haben. Deshalb neigen sie den Kopf beim Trinken immer nur ganz kurz hinunter und sofort wieder hoch und das auch nur in Gegenwart anderer Giraffen, die währenddessen die Umgebung im Auge behalten.

Wir machen halt beim Shimo La Mungo Krater, der aufgrund eines Meteoriteneinschlages entstanden ist. Die Massais wissen über das Entstehen des Kraters nicht bescheid, sondern glauben bis heute, dass dieser mit Gott in Verbindung steht und gehen daher auch regelmäßig den Krater hinunter.

Nach sechs Stunden Fahrt, für nur 180 Kilometer, kommen wir in der Tented Lodge an.

Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Unfassbar, was wir hier sehen. Wahnsinnszelte, sehr geschmackvolles Interieur und Massais, die hier angestellt sind, empfangen uns.

Nach einem Welcome Drink essen wir gemeinsam mit Raji die Speisen aus unserer Lunchbox und trinken Tee, ehe wir in unser Zelt gebracht werden.

Das Zelt ist ein Traum, total luxuriös und wunderschön in die Natur eingebettet. Nach einer kurzen Rast machen wir mit einem Massai einen Spaziergang zu den Flamingos beim Natronsee. Wir führen eine sehr nette Unterhaltung mit ihm. Im Laufe des letzten Jahres gab es so viel Regen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Als sich das Wasser zurück gebildet hat, sind leider viele kleinen Fische in der Salzlake verendet, auch ein paar tote Pelikane liegen am Boden. Wir beobachten tausende Flamingos, deren rosa Federnkleid in der Abendsonne besonders schön aussieht. Es gibt hier zwei Arten, die kleineren und die größeren.

Vor uns ragt der Vulkan Oldoinyo Lengai, der auch als heiliger Berg der Massais bezeichnet wird. Zuletzt ist er 2009 ausgebrochen. Am Weg zurück erzählt uns der Massai, wie wichtig es für ihn ist, sich jeden Tag zu bewegen und seine große Familie um sich zu haben. Social distancing kennt er aus den Medien und fragt, ob das in Europa tatsächlich ein Thema ist und warnt davor, dass das seiner Meinung nach die Menschen krank macht. Wie recht er nur hat. Er bietet uns eine Unterkunft in seinem Dorf an, wir sollen unsere Kinder aus Österreich holen und dann können wir alle bei ihm wohnen. Mit einer Entscheidung vertrösten wir ihn erst mal.

Nach dem Spaziergang wird noch schnell mit kaltem Wasser geduscht, da es heute zu wenig Sonne gab um das Wasser mit Solar zu beheizen. Zu wenig Sonne oder Regen bedeutet auch kein Internet. Dinge, die wir zu Hause als selbstverständlich erachten, laufen in anderen Ländern dann ganz anders ab, ist aber zum Entschleunigen ganz gut. Um 19.30 Uhr gibt es Abendessen im Restaurantzelt. Es ist schon dunkel und der Weg dorthin einige Minuten lang. Wir wurden darauf aufmerksam gemacht, die Reißverschlüsse vom Zelt immer gut zu schließen, da es hier Schlangen, Skorpione und Spinnen gibt. Die Skorpione sind giftig und auch manche Schlangen, die Spinnen dafür harmlos aber entsprechend groß. Selten ziehen Löwen und Hyänen durchs Camp und gelegentlich werden rote Cobras gesehen. Mit einer Lampe ausgestattet machen wir uns auf den Weg zum Abendessen. Kurz vorm Restaurantzelt kreuzt eine Schlange unseren Weg. Es war aber zum Glück eine kleinere.

Wir bekommen köstliches Essen und guten südafrikanischen Sauvignon Blanc.

Nach dem Essen bringt uns ein Massai aufs Zimmer, da sie Gäste nächtens wegen der Tiere nicht alleine gehen lassen. Am Weg dorthin machen wir die Lichter aus und bewundern den sensationellen Sternenhimmel, es ist wie im Planetarium. Als wir das Licht im Zelt ausmachen, sehen wir absolut nichts mehr, eine sehr besondere Finsternis, die man als Städter so nie zu sehen bekommt.

Gute Nacht Lake Natron!

Baumlöwe

Ready for Safari

Heute ist um 6:30 Uhr Tagwache. Wir haben so gut geschlafen. Beim Frühstück auf der Terrasse können wir die Affen in den Bäumen und Zebras beobachten. Dieser Anblick und die frischen Früchte zum Frühstück machen das frühe Aufstehen wieder wett.

Kurz nach 8 Uhr kommt schon unser Guide und Fahrer Raji. Er wird uns die nächsten Tage begleiten. Nach einem kurzen Briefing geht es auch schon los.

Raji mit Jeep

Wir fahren Richtung Lake Manyara Nationalpark der etwa 120 km westlich von Arusha liegt.

In Arusha fahren wir an vielen kleinen Shops vorbei. Viele Frauen hier tragen ihre Einkäufe am Kopf. Einige schaffen das freihändig, manche nehmen dazu eine Hand zur Hilfe. Am großen Markt in Arusha herrscht buntes Treiben und sehr viele Menschen sind auf der Straße unterwegs.

Arusha MarktArusha Markt

Viele von ihnen winken uns zu und schenken uns ein freundliches Lächeln. Diese Freundlichkeit und die gute Laune der Menschen zu spüren, tut gut. Auch die bunten Busse und Lastwägen fallen uns positiv auf.

Arusha Verkehr

Raji hat uns gleich zu Beginn angeboten, dass wir jederzeit Fragen stellen können. Wir waren uns von Beginn an sympathisch. Raji spricht sehr gut Englisch und wir unterhalten uns auf der Fahrt zum Lake Manyara Nationalpark über das Leben in Tansania, das Schulsystem, die Politik, das Militär, Corona und unser aller Kinder. Wir machen einen kurzen Halt am Straßenrand und Raji zeigt uns einen „termites mountain“. Dieser Termitenhügel ist bereits 20 Jahre alt.

Er erklärt uns, wie der Hügel im Inneren aufgebaut ist und wie sich das Volk zusammensetzt. Kurz darauf sperrt eine Kamelherde die Straße und wir warten, bis sie uns den Weg freimacht. Entlang der Straße sieht man auch einige Massaisiedlungen. Die Massais sind meist Viehhirten. Man sieht überall Massen an Ziegen, Esel und Kühen, die von den Massais geleitet werden. Es war eine sehr kurzweilige Fahrt und schon waren wir bei der Einfahrt zum Nationalpark Lake Manyara angekommen. Der Park befindet sich auf 960 bis 1.828 m über dem Meeresspiegel und umfasst eine Fläche von 649 km2.

Es dauert nicht lange und wir sehen schon die ersten Tiere. Impala (Schwarzfersenantilopen), Kraniche, Affen jeglicher Art, Büffel, Gelbschnabelstörche und Warzenschweine.

Impala
Colobus Monkey
Pavian

Die Landschaft ist hier atemberaubend. Es zeigt sich ein Bild der besonderen Art. Wunderschöne Bäume und Sträucher, es ist grün soweit das Auge reicht.

Lake Manyara National Park

Zwischendurch sind kahle Bäume zu sehen, die wie Skulpturen hervorragen. Ein fantastisches Bild wird uns hier geboten. Zu Mittag machen wir Halt an einem Rastplatz. Dort stoßen wir auf ein paar wenige Safaritouristen. Raji erzählt uns, dass dieser Platz bis vor Corona gesteckt voll mit Autos war. Jetzt stehen hier lediglich drei Autos.

Beim Essen sehen wir auch schon die ersten Elefanten in der Ferne vorbeiziehen.

Es wird zunehmend wärmer und die Sonne zeigt sich immer mehr. Wir haben heute um die 28 Grad.

Die ersten Zebras kreuzen unseren Weg. Es ist toll sie zu beobachten. Sie drehen sich keck zur Seite und zeigen uns ihr wertes Hinterteil.

ZebraZebras

Raji zeigt uns einen mehr als 300 Jahre alten Affenbrotbaum und erzählt uns ein bisschen etwas über den mächtigen Riesen.

Immer wieder stoßen wir auf Affenfamilien, die auf der Straße sitzen und uns den Weg versperren. Ein toller Anblick, wenn man sieht mit welcher Gelassenheit sie da sitzen und genüsslich das Gras fressen. Von dieser Gelassenheit könnten wir uns manchmal ein Beispiel nehmen.

Pavian

Der Manyara NP ist auch wegen der Baumlöwen bekannt. Wir haben auch tatsächlich einen erblickt. Die Löwen liegen gerne auf den Bäumen, da der Boden im Park sehr stark verwachsen ist sie dadurch kaum Ausschau auf ihre Beute halten können. Ausserdem gibt es hier sehr viele Ameisen und die belästigen die Löwen. Also bleibt nur noch die Flucht auf die Bäume. Da oben lässt es sich entspannt liegen und er hat einen guten Blick, um das Geschehen zu beobachten. Wir können nicht genug davon bekommen, wie entzückend er aussieht.

Baumlöwe
Baumlöwe

Nach geraumer Zeit fahren wir dann doch weiter, als Raji abrupt abbremst. Eine Black Mamba liegt quer über die Fahrbahn. Als der Wagen vor ihr anhält, bäumt sie sich auf. Bei diesem Anblick hatten wir Gänsehaut. Eine hochgiftige Schlange „steht“ da regelrecht vor uns, ehe sie sich dann doch in den Busch zurück bewegt.

Nur selten begegnen wir anderen Safaritouristen.

Gegen 17 Uhr brechen wir den Weg Richtung Ausfahrt an. Plötzlich kreuzen Elefanten unseren Weg.

Elefant

Eine ganze Familie steht vor uns. Als diese den Weg frei machen, kommt auch schon die nächste Elefantenfamilie auf uns zu. So geht es noch ein paar Mal, ehe wir die Ausfahrt vom Nationalpark erreicht haben.

Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unsere Zelt Lodge. Wir werden sehr herzlich empfangen, stimmen noch schnell mit unserem Guide den nächsten Tag ab und werden anschließend von zwei Massais in unser Zelt gebracht. Man muss sagen, dass es ein luxuriöses großes Zelt ist, mitten im Dschungel und weit weg von der Rezeption und dem Restaurant. Ein bisschen spuky, wenn wir nach dem Essen im Dunkeln hierher zurück finden müssen. Aber ein tolles Zelt mit super Aussicht. Wir zischen sofort zur Bar vor auf einen Sundowner.

Kirurumu Manyara Lodge

Welch tolle Aussicht wir von dieser Terrasse aus haben. Die junge Frau an der Bar begrüßt uns sehr freundlich und führt eine angeregte Unterhaltung mit uns. Sie erzählt uns, wie wenig im Moment zu tun ist, weil nur sehr wenige Touristen ins Land kommen. Wirklich traurig, wenn man sieht, wie viele Existenzen davon abhängen. Nach dem Drink gehen wir direkt ins Restaurant. Wir sind heute Nacht die einzigen Gäste und haben die ganze Aufmerksamkeit vom Personal. Nach dem köstlichen Essen gehen wir nochmals auf die Terrasse bei der Bar und lassen dort den lauen Abend ausklingen. Beim Treppenaufgang wartet geduldig ein Massai auf uns und bringt uns mit einem Stecken und einer Taschenlampe ausgestattet zum Zelt. In the middle of nowhere sitzen wir noch auf unsere Terrasse vorm Zelt, aber lange schaffen wir das nicht, da wir abwechselnd von großen Brummern angeflogen werden und flüchten ins Innere. Das Zelt ist rundum mit Netzfenster ausgestattet. Wir liegen im Bett unterm Moskitonetz und lauschen den vielen Tiergeräuschen von draussen. Man hat das Gefühl, dass man mitten unter ihnen ist. Ein fantastisches Erlebnis und doch sind wir dankbar, dass da noch das Zelt und das Moskitonetz zwischen uns ist.

Usiku mwema Lake Manjara