Löwe

Kopjes Rocks

Wir hatten eine angenehme Nacht. Immer wieder waren Löwen und Hyänen zu hören. Das war sehr faszinierend.

In der Früh besucht uns schon ein Vogel beim Waschplatz vor unserem Zelt. Er setzt sich oberhalb der Waschschüssel auf die Leine des Zeltes und hüpft dann völlig ohne Scheu immer näher an uns ran, bis er schließlich am Boden neben uns frech herumspaziert.

Um 8 Uhr ist Abfahrt zu den Kopjes Rocks.

Schon nach 300 Metern Fahrt, entdecken wir hinter unserem Camp 8 Löwen, die auf Nahrungssuche sind. Eine Löwin war die Leaderin und sitzt im hohen Gras und hält Ausschau nach einer möglichen Beute, während sich die anderen in den Schatten unter einem Baum zurück ziehen.

Wir verharren ziemlich lange hier und beobachten die faszinierenden Großkatzen. So nah waren sie also an unserem Camp dran. Ins Camp kommen sie laut Raji eher selten, da die Crew über Nacht vor jedem Zelt Petroleumlampen hängen lassen und das symbolisiert den Tieren Feuer und davor fürchten sie sich.

Unmittelbar nach den Löwen treffen wir auf Giraffen und machen wieder halt. Wenn das so weitergeht, bekommt Raji heute nicht mehr die Möglichkeit uns die Kopjes Rocks zu zeigen. Aber wir sind täglich aufs Neue von den vielen Tieren fasziniert.

Wir fahren ein Stück weiter und entdecken eine Elefantenherden mit zwei Babyelefanten. Inzwischen können wir gar nicht mehr sagen, welches Tier unser Favorit ist, aber unter den Top 4 liegen Zebras, Giraffen, Löwen und Geparden.

Wir fahren ein ganzes Stück und bewundern die Landschaft, bis wir den ersten Kopjes Rock sehen.

Für den Film „König der Löwen“ hat einer der Kopjes Rocks, der Königsfelsen eine bedeutende Rolle gespielt.

Die riesigen Kopjes ragen aus dem ringsherum flachen Grasland in die Höhe und fügen sich in die ohnehin schon atemberaubende Landschaft der Serengeti ein.

Die Erde in der Serengeti besteht aus Vulkanfelsen und Asche. Unter dieser Schicht befindet sich eine noch ältere Schicht metamorphen Gesteins. Forscher sagen, dass vor rund 4 Millionen Jahren, große Mengen an Magma aus der Erdkruste entwichen und abgekühlt riesige Granit- und Gneisschichten bildeten. Im Laufe der Zeit erodierten die nachgiebigeren und oberflächigen Felsen und legten die Granitstrukturen frei, die heute als Kopjes zu sehen sind.

Die Landschaft hier ist wirklich besonders. Ein unendlich wirkendes Flachland aus dem stellenweise die Kopjes Rocks empor ragen.

Auf einem riesigen Stein entdecken wir einen Löwen. Ganz oben liegt er und schläft. Die Löwen liegen gerne auf diesen großen Steinen, das diese warm sind und sie von da aus eine gute Sicht auf die Beute haben.

So wie er da liegt, erinnert er an König der Löwen. Seinen großen, schönen Kopf hat er auf der Pfote liegen und sieht richtig knuddelig aus. Als er uns entdeckt, schaut er immer wieder mal auf und als er sieht, dass wir harmlos sind, legt er sich wieder hin. Diese Tiere hier haben alle ein tolles Leben, der ganze Tag besteht aus fressen und schlafen. Wenn man die Tiere in der Wildnis beobachtet, möchte man gar nicht daran denken, wie sich so ein Tier im Zoo fühlen muss.

Wir sehen, dass beim Felsen daneben auch ein Löwe liegt. Auch er nimmt uns zur Kenntnis, zieht es aber vor, sich weiter auszuruhen.

Als wir beim dritten großen Kopjes vorbeikommen, erwartet uns der nächste Löwe. Jetzt könnte man glauben, dass es langweilig wird, aber genau das Gegenteil ist der Fall.

Unser nächster Fundus ist eine Geparden Mutter mit ihren 4 Kindern. Es kommen noch ein paar wenige Safariautos zum Beobachten dazu. Die Babies suchen den Schatten und kriechen unter eines der Autos und spielen dort. Die fürsorgliche Mutter ruft immer wieder mal ihren Kindern zu.

So geht das eine ganze Weile, als die Mutter zu unserem Auto kommt, rundherum geht und dann plötzlich hinten raufspringt und an den Reserverädern stehenbleibt. Sie steht auf Augenhöhe zu uns und ist keinen Meter von uns entfernt. Am liebsten möchten wir sie streicheln, doch das wäre dann doch zu gefährlich und würde sie nicht zulassen.

Von hier oben sucht sie nach ihrer Beute und ruft ihren Babies zu. Zwei freche Babies kommen zu unserem Auto, eines springt auf unsere Motorhaube und das zweite hängt sich auf den Autoreifen und kratzt am Kotflügel. Nach geraumer Zeit entdeckt die Gepardin Gazellen in der Ferne, springt wieder runter, ruft ihren Kindern zu und sie ziehen los.

Danach passiert für uns etwas total spannendes. Allen voran geht die Mutter und mit Abstand folgen ihr brav die Kinder. Wenn sie sich ins Gras legt, um von den Gazellen nicht gesehen zu werden, machen es ihr die Jungtiere nach. Es dauert ziemlich lange, bis sie sich an die Beute annähern. Ziel ist es, dass die Mutter angreift und ihr erst dann die Kinder zur Hilfe kommen. So lernen sie es am besten.

Jetzt folgt der entscheidende Schritt. Sie macht noch einen Blick zu ihren Kids, danach bewegt sie sich flach über den Boden, immer schneller und schneller werdend an die Beute heran.

Als sie gerade zum Sprint ansetzen möchte, wird sie von den Gazellen entdeckt.

Sie stoppt sofort, wendet und fängt an, im Gras zu suchen. Damit signalisiert sie der Beute, dass sie nicht interessiert ist, sondern nur herumspaziert. Wir hätten jetzt damit gerechnet, dass die Gazellen schnell das Weite suchen. Aber stattdessen gehen sie der Gepardin ein Stück näher. Mit neugierigen Blicken vergewissern sie sich, ob auch wirklich keinen Gefahr lauert. Offensichtlich war es ihnen doch nicht geheuer und sie laufen los. Die Gepardin gibt auf und geht zu ihren Kindern zurück. Wenn der Abstand zur Beute zu groß ist, setzen Geparden nicht zum Angriff an. Sie können zwar gut 100 kmh in mehr laufen, sind aber Kurzstreckensprinter und hätten keine Chance, da die Gazellen auch bis zu 60 kmh laufen können.

Es ist bereits Nachmittag und wir sind schon hungrig. Mika hat uns wieder Köstlichkeiten eingepackt. Wir suchen uns ein nettes Plätzchen in der Wildnis und richten den Tisch an.

Wie cool es hier ist. Rund um uns sind abertausende Gnus und Zebras. Wir essen inmitten der Great Migration und genießen nicht nur den Anblick sondern auch die Geräuschekulisse, die uns die Tiere zum Besten geben.

Wir packen wieder alles zusammen und führen die Fahrt fort.

Unser Weg wird immer wieder gekreuzt von Schakalen, Gazellen, Zebras und sonstigen Tieren. Außerdem zeigt sich das Landschaftsbild in einem wunderschönen Licht.

Wir stoßen auf weitere 5 Löwen, dir natürlich unsere gesamte Aufmerksam gewinnen und wir verharren wieder eine Zeit lang bei den Tieren.

Als wir weiterfahren, läuft plötzlich eine Hyäne vor unserem Auto entlang. Sie blickt immer wieder auf uns zurück und wird noch schneller. Wir lassen sie dann aber ziehen.

Es ziehen dunkle Wolken auf und es fängt an zu donnern. Es beginnt hier oft innerhalb von wenigen Sekunden sehr stark zu regnen.

Plötzlich läuft der Wagen unrund. Raji macht einen Blick auf den Hinterreifen und hört schon ein lautes Zischen, die Luft geht aus. Wir haben eine Reifenpanne.

Schnell bleiben wir um gemeinsam den Reifen zu wechseln, bevor der große Regen kommt.

Raji prüft, ob der Reservereifen in Ordnung ist, während ich die Schrauben vom Rad abschraube. Stefan sucht inzwischen zwei große Steine, um den Wagen zu fixieren, was gar nicht so einfach war und als dann endlich welche gefunden waren, mussten diese erst aus der Erde gestemmt werden.

Der Wagen wird mit einem riesigen Wagenheber in die Höhe gestemmt. Es donnert schon kräftig, aber wir helfen alle zusammen und sind rasch fertig.

Wir setzen unsere Fahrt fort und nützen das schöne Licht, um noch schnell die Landschaft und die schönen Bäume zu fotografieren. Kurz darauf beginnt es auch schon heftig zu schütten. Bis wir das Hubdach zugemacht haben sind wir schon nass.

Bereits nach etwa einer halben Stunde macht der Regen eine Pause.

Den nächsten Halt machen wir, als wir Löwen entdecken. Es zeigen sich immer mehr, als wir plötzlich 14 Löwen vor uns haben. Löwen sehen siebenmal besser als der Mensch und gehen daher auch nachts jagen. Die Hinterseite der Ohren sind dunkel und damit kommuniziert das Tier mit seinen Jungen oder anderen Löwen.

Als wir im Lager ankommen regnet es bereits wieder. Mit Lagerfeuer wird es heute wohl nichts. Wir beschließen, statt dem Sundowner einen Raindowner unter der Plane zu uns zu nehmen. Es ist trotz des Regens schön und wir lassen den Tag nochmals an uns vorüberziehen.

Nach dem Abendessen bringt uns unser Kellner Charles einen Karton vorbei und bittet und Freudestrahlend hineinzuschauen.

Er hat im Camp eine Schildkröte gefunden. Liebevoll hat er ihr eine Unterlage aus Heu gemacht und sie in den Karton gesetzt. Er dachte, dass wir noch nie zuvor eine echte Schildkröte gesehen haben und wollte sie uns zeigen. Als ich sie rausnehme, zieht sie sich gleich in ihr Haus zurück. Wir beobachten sie eine Weile und entlassen sie dann wieder in Freiheit.

Ein beeindruckender Tag liegt hinter uns.

Gute Nacht Serengeti

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