Gepard

Anreise Serengeti

Heute ist um 6 Uhr Tagwache. Es ist noch sehr kühl und beim Duschen noch finster.

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Ikoyo, dem Massai. Er ist sehr herzlich und drückt freundlich unsere Hände. Wir fahren los Richtung Serengeti. Die Crew baut jetzt das Camp ab, verstaut alles in einem Jeep und baut das Camp dann in der Serengeti wieder für uns auf.

Schon ein paar Minuten später treffen wir auf Unmengen an Gnus und Zebras. Die Great Migration zu erleben ist ein ganz besonderes Erlebnis für uns. Es ist noch viel besser, als wir uns das vorgestellt haben. Die Gnus und Zebras sind während der gesamten Migration zusammen. Immer wieder mal begleiten sie Impalas, die aber nicht die gesamte Reise über bei ihnen bleiben.

Die Zebras haben es uns besonders angetan. Sie stehen meist zu zweit oder in noch größeren Gruppen zusammen und es sieht so aus, als würden sie kuscheln. Die Einheimischen nennen es die Security Position, weil sie nebeneinander stehen, die Köpfe aneinander kuscheln und dabei jedes in eine andere Richtung blickt. So können sie ständig nach Feinden Ausschau halten. Unter der Herde befinden sich zahlreiche Zebra- und Gnubabies. Sie wurden in den letzten 4 Wochen geboren und springen gemeinsam mit ihren Eltern stolz über die Savannen.

Hyänen sind eigentlich Aasfresser, aber in Ermangelung an Aas jagen sie gerne auch Tierbabies. Wir werden Zeuge davon, wie eine Hyäne einem Gnubaby hinterherläuft. Zum Glück bemerkt das Baby den Feind rechtzeitig und hat genug Vorsprung, um flüchten zu können. Wir sind erleichtert.

Den ganzen Weg über begleiten uns Hunderttausende von Gnus und Zebras. Oft sperren sie uns die Straßen, weil eine nicht enden wollende Herde die Straße überquert. Nach mehreren Stunden Fahrt, kommen wir beim Serengeti Nationalpark an.

Allerdings fahren wir noch nicht rein, weil uns Raji vorher noch das Ndudu Gebiet zeigen will.

Am Weg dorthin sind immer wieder Gnus soweit das Auge reicht zu sehen. Die Gnus gehen gemütlich über die Grünflächen, doch wenn sie eine Schotterstrasse sehen, dann beginnen sie zu laufen. Sobald sie die Straße überquert haben, gehen sie wieder im Schritt weiter. Es ist faszinierend, wie intelligent die Tiere sind und ihr Verhalten auf die Gegebenheiten abgestimmt sind.

Wir lieben die Vorschläge von Raji, die fernab vom Mainstream sind. Diese typischen Touristenfahrten sind ohnehin nichts für uns.

Raji rechnet damit, dass wir im Ndudu Gebiet auf Löwen treffen. In der Nähe eines Sees führt ein sehr matschiger Weg auf die andere Seite. Raji steigt aus, um zu überprüfen, ob das Wasser nicht zu tief ist, damit wir durchfahren können. Der Landcruiser soll uns durch die Lacken führen. Raji gibt Gas und plötzlich stecken wir mitten im Matsch fest.

So sehr er es auch versucht, es geht gar nichts mehr. Er hat sofort erkannt, dass der Allrad nicht mehr funktioniert. Aber es gibt kein Problem, das Raji nicht lösen kann. Er steigt nochmals aus, um nach dem Rechten zu sehen und funkt sofort einen anderen Guide und den Ranger in der Nähe an. Es dauert nicht lange und die beiden kommen und ziehen unser Auto aus dem Matsch. Ein Glück, dass der Allrad hier erst versagt hat, da wir die letzten Tage ausser Massais niemanden begegnet sind.

Jetzt geht die Fahrt auch schon weiter und schon bald treffen wir auf den ersten Löwen. Ein atemberaubender Anblick, wie schön diese großen Katzen sind.

Ein atemberaubender Anblick, wie schön diese großen Katzen sind. Und schon stoßen wir auf das nächste Tier. Diesmal ist es ein Gepard. Man bekommt sie nicht so oft zu sehen, wie Löwen und oft auch nur aus der Ferne.

Umso mehr freut es Raji, dass er uns dieses Erlebnis bieten kann. Der Gepard liegt im Gras und erfreut sich seiner Beute. Er hat ein Gazellenjunges erlegt und lässt es sich schmecken. Man kann hören, wie die Knochen der Beute krachen, wenn er reinbeisst.

Immer noch fasziniert von den Erlebnissen, fahren wir ein kleines Stück weiter und machen Halt. Raji stellt einen Klapptisch und Klapphocker für uns auf und deckt den Tisch.

Ein Picknick mitten in der Wildnis. Unser Koch hat köstliche Speisen für uns alle mitgegeben. Wir entdecken eine Schildkröte auf der Wiese. Mitten im Nirgendwo und egal wohin man schaut, es ist alles wunderschön und atemberaubend. Die tägliche Unterhaltung mit Raji genießen wir sehr. Er hat ein unfassbares Wissen über die Fauna und Flora. Wir sprechen auch viel über unsere Familien und vergleichen die Gegebenheiten unserer Länder. Er ist ein besonders lieber Mensch, den wir von Beginn an ins Herz geschlossen haben.

Wir treffen auf weitere Löwen und als wir noch ein Stück weiterfahren, treffen wir auf eine Herde aus 19 Elefanten und am Baum sitzen 5 Löwen. Ein wahrhaftig kitschiger Anblick, es wirkt wir ein Ausschnitt aus dem Dschungelbuch und all das vor unseren Augen.

Es wird Zeit in den Serengeti Nationalpark zu fahren, damit wir vor Einbruch der Dunkelheit im Camp sind. Es liegen noch rund 2 Stunden Fahrtzeit vor uns. Bei der Registration machen wir einen kurzen Halt, da jeder der hier einfährt registriert wird und bezahlen muss. Auf einem Stein finden wir einen wunderschönen bunten Gecko.

In der Serengeti auf einem Schotterweg zwischen riesigen Grasfeldern, treffen wir auf ein Löwenpärchen ca. 7 Meter von uns entfernt. Raji erzählt uns, dass diese beiden auf Honeymoon sind. 7 Tagen lang ist der Löwe mit der Löwin alleine unterwegs und er begattet sie in dieser Zeit mehrmals am Tag.

Er zeigt auch uns was er kann und lässt uns dem Schauspiel beiwohnen. Ein Akt, der binnen weniger Sekunden wieder vorbei ist. Danach gehen die beiden auseinander, fallen um und schlafen.

Der Tag ist wie im Flug vergangen, es ist schon fast 18 Uhr und wir treten das letzte Stück Fahrt ins Camp an, welches in der Zentralserengeti liegt. Wir sind schon neugierig, was uns erwartet.

Wir fahren entlang der riesigen Grünflächen, die Gräser sind hier besonders hoch, da sehen wir schon unser Camp. Ein weiterer Anblick der bei uns für Gänsehaut sorgt. Es ist unbeschreiblich schön, wie dieses Camp in der Wildnis auf uns wartet. Die Crew hat bereits alles vorbereitet und uns herzlich beim Auto mit frischen, feuchten Handtüchern begrüßt. Eine angenehme Geste, die bei der Ankunft nach einem Safaritag für Erfrischung sorgt.

Freudig teilen sie uns mit, dass heute auch der Gin und Rotwein für uns bereitsteht. Die Lieferung wurde per Bus in die Serengeti geschickt und die Crew hat alles am Weg hierher übernommen.

Sie haben auch schon das Lagerfeuer vorbereitet und unsere Stühle und einen kleinen Tisch mit dem Gin vorbereitet. Es war also Zeit für einen Sundowner, besser hätte es nicht sein können.

So sitzen wir eine ganze Weile und genießen den Blick in die unendliche Weite, bis unser Abendessen serviert wird.

Der Koch Mika kommt kurz davor immer zu uns, fragt ob wir bereit sind und kündigt dann sein Menü an, nur das Dessert ist immer eine Überraschung. Die Tansanier sind alle sehr herzliche und freundliche Menschen und pflegen einen sehr liebevollen Umgang miteinander.

Eine herrliche, laue Nacht haben wir heute und der Himmel ist nach Tagen wieder mal so klar, dass wir den Sternenhimmel bestaunen können, ehe wir mit vielen neuen Eindrücken schlafen gehen. Vorm Zelt erwartet uns ein kleiner Frosch, den wir vorsichtig dazu bringen ins Gras zurück zu hüpfen.

Lala salama Serengeti

Feigenbaum

Ngorongoro Conservation Area

Heute können wir mal etwas länger schlafen. Der Camp Assistant füllt das Wasser zum Duschen um 7:30 Uhr ein. Das Duschzelt besteht aus einem Metallgestell auf dem eine Plane angebracht ist. Nach untenhin ist nur der Naturboden der Umgebung und nach oben hin ist es offen und es ist ein Sack angebracht, der bei Bedarf mit Wasser gefüllt wird. Shower on request, sozusagen. Wir freuen uns, dass warmes Wasser eingefüllt wird, denn regulieren kann man es nicht. Es hat in der Früh in etwa 17 Grad und es ist windig.

Die restliche Morgentoilette findet wieder am Waschplatz unter dem Vordach statt. Dabei entdecken wir, dass im Erdboden überall mehrere Zentimeter große Löcher sind. Aus diesen kommen also diese furchtbaren Käfer. Es stellt sich heraus, dass es sich um Mistkäfer handelt, nur sind sie hier überdimensional groß. Mit den Schuhen schaufeln wir die Löcher zu, auch wenn wir wissen, dass das nichts bringt. Um 8 Uhr gibt es Frühstück. Frische Ananas, Papayas, Orangen, Mango, Wassermelonen, einfach köstlich. Danach Eierspeise mit Tomaten und allem was das Herz noch begehrt.

Die Abfahrt war mit Raji für 8.30 Uhr ausgemacht. Er ist ein Sonnenschein, immer gut gelaunt und freundlich und stets darum bemüht, dass es uns gut geht. Er fragt, ob ein Massai mit uns im Auto mitfahren darf und wir sind von der Idee begeistert, weil wir gerne Kontakt zu den Einheimischen haben.

Der Massai spricht zwar nicht Englisch, aber dafür Suaheli, was ebenfalls eine Seltenheit ist, da Massais ihre eigene Sprache haben. Auf Suaheli kann er sich mit Raji gut verständigen und so erfahren wir einiges. Er heißt Ikoyo, ist 49 Jahre alt, hat zwei Frauen und sieben Kinder, davon sechs Mädchen und einen Buben. Es dürfte sich um eine etwas fortgeschrittenere Familie handeln, da die Kinder alle zur Schule gehen und noch nicht verheiratet sind. Ausserdem sind sieben Kinder für einen Massai eher wenig. Er ist sehr gut gelaunt und hält immer Aussicht nach Tieren.

Unmittelbar nach unserem Camp stoßen wir auf ein totes Zebra, welches von Unmengen an Geiern zerfressen wird. Ein Kampf zwischen den Geiern findet statt. Die schwächeren unter ihnen stehen im Abseits und warten auf das was übrig bleibt.

Die starken Tiere unter ihnen kämpfen um das frische Fleisch. Die Geier haben unfassbar gute Augen und sehen sehr weit, wenn es etwas zu fressen gibt. Sie beobachten auch, wenn andere Raubvögel etwas ansteuern, weil das auf eine Futterquelle hindeutet. Es waren gut 60 Geier hier versammelt und es ist noch kein Ende in Sicht. Ständig sind weitere im Landeanflug. Jene Geier, die die entsprechenden Schnäbel haben, um das Tier aufzubrechen sind zuerst dran. Ein unfassbares Gemetzel findet hier statt.

Wir fahren weiter und bekommen heute die „Great Migration“ der Tiere noch deutlicher zu sehen. Unmengen an Gnus und Gazellen sind mit ihren kürzlich geborenen Jungen unterwegs.

Auch Strauße, Giraffen und Zebras bekommen wir wieder zu sehen. Wir steigen aus und beobachten die Herden. In der Ferne entdeckt der Massei einen Honigdachs.

Wir fahren näher ran. Raji erzählt uns, dass man einen solchen sehr selten zu sehen bekommt, es ist also etwas besonderes. In seiner Nähe dürfen wir allerdings nicht aussteigen, da er sehr aggressiv und bissig ist und wenn er erst einmal zugebissen hat, dass lässt er nicht mehr los. Wir stoßen auch auf ein paar Hyänen.

Unterwegs treffen wir erneut auf einen Mistkäfer, der eine Kugel in der Größe eines Tennisballs vor sich herrollt.

Eine wunderschöne Weite liegt vor uns und durch die unterschiedlichen Grüntöne wirkt die Gegend fast malerisch. In der Ferne sehen wir einen Feigenbaum der schon mehr als 1000 Jahre alt ist. Wir gehen gemeinsam mit dem Massai zu Fuss hin, vorbei an den vielen Tieren und sind beeindruckt von der Landschaft.

Eine halbe Stunde später sind wir auch schon da und Raji wartet bereits mit dem Auto auf uns.

Er erzählt, dass der Baum, seitdem der Massai ein Kind war, nicht mehr weiter gewachsen ist. Einen derartig mächtigen und schönen Baum haben wir noch nie gesehen.

Es ist bereits Mittag und wir nehmen die Fahrt zurück ins Camp auf. Dabei treffen wir auf eine Straußenmutter mit 14 Kindern, die hurtig ihrer Mutter hinterherlaufen.

Kurz vorm Camp kommen wir nochmal bei dem toten Zebra vorbei oder dem was noch davon übrig ist. Die Geier haben es komplett ausgehöhlt, es ist nur noch das Skelett umhüllt mit der Haut und dem Fell übrig. In der Nähe läuft ein Hund mit einem Stück Zebrahaut im Maul herum. Die Natur hat seine eigenen Regeln.

Nach dem Mittagessen genießen wir die Sonnenstrahlen im Camp. Um 16 Uhr sind wir mit dem Massai verabredet und wollen gemeinsam den Nasara Rock hochklettern.Da kurz davor schon wieder schwarze Wolken aufziehen, gehen wir etwas früher los. Ikoyo geht mit den typischen Massaisandalen. Als wir beim Nasara Rock stehen, überlegen wir, wie wir da überhaupt raufkommen sollen. Der Stein ist glatt, steil und ziemlich hoch. Den ersten Felsen schaffen wir mit viel Mühe. Aufgrund mangelnder Englischkenntnisse versuchen wir mit Händen und Füßen den Massai zu fragen, ob wir diesen Weg dann auch wieder runter müssen oder ob es ein anderer sein wird. Er gibt uns zu verstehen, dass wir diesen Weg auch zurück nehmen werden. Alleine der erste Felsenabschnitt ist mehr als zwanzig Meter hoch, einige weitere in dieser Art folgen und es gibt nichts um sich festzuhalten. Spätestens beim Abstieg wird es regnen und der Felsen wird dann noch rutschig sein und wir haben keinerlei Sicherung, weder Helm noch Seil bei uns. Das ist uns dann doch zu viel und wir kehren um. Da beginnt es auch schon zu blitzen und ein enorm starker Donnerknall ist zu hören, der nicht nur uns, sondern auch den Massai völlig erschreckt.

Wir gehen ins Camp zurück und spazieren von dort aus einen Hügel auf der Rückseite der Zelte hinauf. Auch von hier aus haben wir eine tolle Aussicht. Allerdings müssen wir schnell zurück, da es immer stärker zu regnen beginnt. Wir ziehen uns ins Zelt zurück und wärmen uns mit Decken. Um 19 Uhr endet der Regen wieder und wir genießen die wunderschöne Aussicht von unserem Esstisch unter der Plane.

Heute werden wir wieder mit einem ausgezeichneten Menü verwöhnt. Schon am Nachmittag hat mir der Koch gezeigt, dass er heute schon frisches Weißbrot gebacken hat und mir erklärt, wie er das in der reduzierten Campküche zustande gebracht hat.

Es gibt köstliche Tomatensuppe und dazu Croutons aus dem frischen Weißbrot. Beef gefüllt mit Spinat, dazu wunderbare Kartoffel, Karfiol und Salat. Und allesamt ist sehr geschmackvoll.

Diesmal besucht uns nur einer der großen Falter beim Essen, die großen Mistkäfer kommen dann später vorbei. Sie surren so laut, wenn man sie wegstupst und starten gleich nochmal zum erneuten Angriff durch.

Bevor wir uns ins Zelt zurück ziehen, besprechen wir mit Raji noch den morgigen Tag. Vor unserem Zelt wimmelt es schon wieder vor Mistkäfer. Wir schupsen sie von der Bodenplane vorm Zelt, damit wir in Ruhe Zähne putzen können, aber das ist leider nicht möglich. Beim WC-Zelt erwarten uns die nächsten, sie fliegen wie verrückt gegen die Plane. Wir sind erleichtert, als wir im Zelt sind und die Plane von innen verschließen.

Lala salama

Nasera Rock

Ngorongoro Conservation Area / Nasara Rock

In der Nacht fängt es wieder an zu regnen. Als uns der Wecker um 6:30 weckt, ist es bereits wieder trocken und wir haben angenehmes Wetter.

Leider kommt aus der Dusche weiterhin nur kaltes Wasser und hat mich beim Haare waschen eine ziemliche Überwindung gekostet hat. Aber danach ist man so richtig wach und gut durchblutet. Das Wasser hier ist besonders, es kommt aus der Quelle vorm Zelt und der Natrongehalt ist sehr hoch. Das hat zur Folge, dass es sich seifig anfühlt. Beim Händewaschen hat man das Gefühl, als ob die Seife auf den Händen kleben bleibt und beim Haare waschen fühlt es sich an, als ob das Shampoo nicht ausgespült ist. In Anbetracht des kalten Wassers war ich schon etwas ungeduldig, aber die Haare waren dann sehr weich.

Um 7:15 Uhr wird uns das Frühstück zubereitet und dann fahren wir auch schon los. Eine lange Fahrt die uns heute zur Ngorongoro Conservation Area und zum Nasara Rock führt, liegt vor uns. Die Distanz wäre nicht so groß, aber es gibt in der Nähe keine Verbindung über den Fluss, daher müssen wir eine Umfahrung fahren. Wir fahren den ostafrikanischem Grabenbruch entlang. Die Straßenverhältnisse sind entsprechend schlecht und durch den Regen brechen immer wieder Straßen und neue Wege werden gebildet.

Wir bewundern Raji, mit welcher Leichtigkeit er sich zurecht findet und den Wagen navigiert. Er erzählt uns, dass er seine letzte Safari Corona bedingt im Dezember hatte und durch den Regen manche Straßen jetzt nicht mehr so verlaufen wie zuletzt. Er macht seinen Job großartig und ist so dankbar, dass er endlich wieder arbeiten darf.

Der Weg führt uns durch den Ort Sale, das ist der einzige Ort, indem das Sonjo Volk lebt, welches sich großteils von der Jagd ernährt. Als Kleidung tragen sie meist gelbe und blaue Tücher.

Unterwegs fahren wir immer wieder an Massaidörfern vorbei und auch entlang der Strecke sehen wir häufig die Massais mit ihren Tierherden herumziehen. Oft sind schon die kleinen Kinder alleine mit einem Stecken unterwegs und führen eine Herde von Ziegen über die Felder.

Raji erzählt uns, dass manche Massai Kinder in der Früh alleine mit den Tieren die Lehmhütten verlassen und erst zum Essen wieder nach Hause kommen. Die kleinen Knirpse sieht man inmitten der Herde oft gar nicht auf den ersten Blick. Wir erfahren auch, dass je Massaidorf eigentlich nur eine Großfamilie wohnt. Ein Massai darf beliebig oft heiraten und so wohnt er mit all seinen Frauen und Kindern in seinem Dorf. Wenn ein Sohn heiratet verlässt er das Dorf und bildet sein eigenes. Die Massais heiraten das erste Mal im Alter von ca. 18 Jahren, die Mädchen hingegen sind meist weitaus jünger. Nicht selten kommt es vor, dass sie bereits mit 14 Jahren verheiratet sind.

Wir fahren durch den Ort Malambo. Raji sagt, dass dies der letzte Ort für heute sein wird, ab jetzt folgt nur noch Wildnis. Es dauert auch nicht lange und wir sehen jede Menge Gazellen, Zebras und Giraffen.

Es ist traumhaft schön. Wir fahren wieder mit offenem Dach und können im Stehen die Tiere beobachten. Zu Mittag machen wir Halt unter einem Baum. Raji breitet auf der Motorhaube ein buntes Massaituch auf und darauf platzieren wir unsere Lunchboxes.

Picknick

Unterwegs bleiben wir immer wieder stehen und steigen aus um Tiere zu fotografieren. Raji zeigt uns einen Mistkäfer, der eine Kugel Mist vor sich her rollt, ein Loch in die Erde buddelt und die Kugel darin vergräbt.

Zwischendurch kommt auch immer wieder die Sonne raus und es ist angenehm warm.

Wir befahren bereits das Gebiet der Nogorongoro Conservation Area. Man sieht viele Gazellen und Gnus.

Es findet bereits die Migration statt. Die Tiere kommen im Oktober aus der Masai Mara und sind ab Dezember in der Serengeti und im Norden des Nogorongoro Gebietes. Dieses Gebiet ist riesengroß und sehr eben. Hier gab es mehrere Vulkane die implodiert sind, die Asche hat sich auf der Oberfläche verteilt und bildet einen nahrhaften Boden für Gräser und Pflanzen. Es regnet hier auch oft. Die Tiere zieht es hierher, weil sie hier genug zu fressen und trinken haben und gebären hier ihre Tiere. In Gebieten ohne genug Nahrung könnten die Muttertiere nicht genug Milch für ihren Nachwuchs produzieren und dieser hätte keine Überlebenschance. Es gibt hier auch spürbar mehr Mistkäfer. Ständig fliegt einer über das offene Dach zu uns herein. Einmal landet einer auf meinem nackten Unterschenkel, dann wieder irgendwo im Auto und wir sind ständig am Suchen und rauswerfen.

Das Wetter ist hier nicht vorhersehbar, es kann sehr schnell wechseln. Kaum darüber gesprochen, fängt es auch schon zu regnen an.

Binnen von Minuten steht überall das Wasser und die Sicht beim Fahren ist schlecht und man schlittert über die matschigen Wege. Wir kommen in unserem Zeltlager direkt neben dem Nasara Rock an.

Die Crew ist schon hier und hat das Lager bereits aufgebaut. Wir haben unser eigenes Zelt und ein WC und Duschzelt.

Darüberhinaus gibt es ein Zelt zum Kochen, eine Plane mit einem Esstisch für uns und je ein kleines Zelt für die Crew und unseren Guide. Wir werden herzlich empfangen und es hört zum Glück auch wieder zu regnen auf. Die Crew besteht aus dem Koch, Kellner und Campassistenten. Zusätzlich ist ein Massai hier, der in dem nahegelegenen Massaidorf lebt. Wenn man privat seine Zelte im Nirgendwo aufstellt, ist es üblich einen Massai von diesem Gebiet mit einzubinden, als Zeichen des Respekts sozusagen. Dieser Massai kommt dann mehrmals am Tag im Camp vorbei und sieht nach dem Rechten.

Nach dem Welcome Drink bekommen wir ein Camp Briefing von Raji. Er teilt uns mit, dass wir uns bei Tageslicht frei bewegen können, da die Löwen nur dann angreifen, wenn man sie in die Enge treibt, die Hyänen ohnehin Aasfresser sind und wenn dann auch nur Tiere angreifen und die Gnus und Gazellen harmlos und ängstlich sind. Sollten wir in der Nacht aufs WC müssen, gilt folgende Verhaltensregel. Beim Verlassen des Zeltes mit der Taschenlampe links und rechts vom Zelt Ausschau halten. Sieht man rote Augen (Raubtiere), die Taschenlampe ein- und ausschalten, da die Tiere oft verschwinden, wenn nicht, dann muss man sofort ins Zelt zurück. Bei silbernen Augen ebenfalls den Trick mit der Taschenlampe anwenden, diese Tiere sind aber harmlos. Leuchten Tieraugen auf höherer Ebene, ebenfalls sofort zurück ins Zelt, da es sich um ein großes Tier handelt. Sollte die nächtliche Notdurft verrichtet werden müssen und man kann nicht ins WC Zelt gehen, steht vor dem Schlafzelt ein kleiner Kübel. Also wir sind uns einig, dass wir beides zu verhindern versuchen.

Wir verstauen unsere Sachen erstmal im Zelt und wären jetzt bereit für einen Sundowner. Doch leider hat die Vorabbestellung nicht geklappt, denn weder der von uns bestellte Gin noch die Weine für die nächsten Tage im Camp wurden geliefert. Also gehen wir über zu Plan B und machen einen Spaziergang und umrunden den Nasara Rock. Ein wunderschöner Felsen in tollen Farben.

Eigentlich unglaublich, dass wir in the middle of nowhere ganz alleine gehen können, wir haben es uns viel gefährlicher vorgestellt. Aber das kommt auf die Gegend an und diese hier ist zum Glück harmlos.

Wir treffen wieder im Camp ein und zeitgleich setzt auch wieder der Regen ein. Mit dem von der Crew versprochenen Lagerfeuer wird es somit auch nichts und der Sonnenuntergang wird auch nicht zu sehen sein. Dafür zeigen sich schöne, rosa gefärbte Blitze am Himmel.

Das Abendessen wird uns serviert. Drei köstliche Gänge und sogar die Teller sind gut vorgewärmt. Unfassbar, was der Koch unter reduzierten Umständen zaubert.

Während wir essen, steuern uns riesige Nachfalter an. Mit einer Länge von 8 cm und Breite von ca. 3 cm, haben wir noch nie so große, plumpe Falter gesehen. Die Petroleumlampe und das Kerzenlicht zieht sie an, doch ohne Licht ist es nicht möglich irgendetwas zu sehen. Sie bombardieren uns abwechselnd und fliegen in unser Essen. Nach dem Essen zeigen sich die ersten Riesenkäfer. Schwarze, kugelrunde, glänzende Käfer, die gut 6 Zentimeter groß sind und sich noch größer machen, indem sie die Flügel aufblasen. Sie sind noch dazu dumm, sie fliegen gegen die Plane und landen auf uns oder steuern uns direkt an. Wir sind scheinbar beide keine Hardcore Naturmenschen und die Größe dieser Tiere ist wirklich gewöhnunsbedürftig.

Nachdem der Regen nicht enden mag und es dann zu kalt ist, um draussen zu sitzen, gehen wir mit der Taschenlampe bewaffnet zum Zelt zurück. Unter dem Vordach ist unser Waschplatz. Wir richten unser Waschzeug her, als uns plötzlich mehrere von den großen Käfern bombardieren. Wir kommen nicht mehr nach sie abzuwehren und so sehr uns graut vor diesen Kreaturen, so sehr müssen wir lachen. Also putzt einer die Zähne, während der andere die Käferabwehr übernimmt. Eine Herausforderung war es auch, ins Zelt zu kommen, ohne dass ein Käfer mit reinfliegt. Wir haben es geschafft und sind heilfroh. Jetzt bauen wir noch die Einzelbetten auf ein Doppelbett um und fallen mit vielen neuen Eindrücken ins Bett. Es ist ziemlich kalt, aber die warmen Decken wärmen ausreichend. Die Käfer vorm Zelt geben nicht auf und fliegen alle paar Sekunden gegen unser Zelt. Es hat sich jedesmal angehört als würden sie im Inneren landen und um sicherzugehen, dass das nicht der Fall ist, haben wir mehrmals die Taschenlampe angemacht. Erst dann konnten wir beruhigt einschlafen.

Usiku mwema Nasara Rock