Santa Marta

Unser letzter Tag in Medellín ist angebrochen. Heute Nachmittag fliegen wir weiter nach Santa Marta, eine Stadt am Karibischen Meer.

Im nahe gelegenen Café genießen wir unser letztes Frühstück in Medellín mit herrlichen Avocado Gerichten.

Bis zu unserer Weiterreise schlendern wir gemütlich durch die Stadt und machen immer wieder Pausen in kleinen Cafés.

Die Stadt des ewigen Frühlings wird ihrem Namen auch heute wieder gerecht. Es ist herrlich warm, da schmecken die herrlichen Fruchtsäfte gleich noch besser.

Immer wieder trifft man an den großen Kreuzungen auf Straßenkünstler. Manche jonglieren, tanzen oder führen Kunststücke mit dem Rad vor und erhoffen sich dann eine kleine Spende. Wir treffen auf BMX Fahrer. Einer schiebt während der Rotphase eine selbstgebaute Rampe auf die Fahrbahn, während die anderen beiden darüber fahren und einen Salto machen. Sehr beeindruckend.

Heute sind viel mehr Straßenverkäufer unterwegs als die letzten Tage. Sie kommen selbst zu den Tischen im Café. Kaum wimmelt man einen Verkäufer, der seine Kapperl verkaufen möchte ab, kommt auch schon der nächste mit genau solchen Kapperl angefahren.

Auch Lollipops und Zuckerl Verkäufer geben sich einen Schlagabtausch. Die Zuckerl sind zum Teil mit Cannabis gefüllt.

Entzückend hingegen finden wir die alten Leute, die meist Blumen verkaufen. Sie sind auch absolut nicht aufdringlich.

Wir suchen in Medellín noch einen Bankomaten auf, da wir auf unserer Weiterreise vieles in bar bezahlen müssen und es in machen Orten keine Möglichkeit zur Geldbehebung gibt. Im Supermarkt im letzten Eck werden wir dann fündig.

Mit dem Taxi geht’s weiter zum Flughafen. Kaum sind wir hier, bekommen wir eine Mail, dass sich unser Flug verspätetet. Dieser Ankündigung folgen dann noch zwei weitere und mit über einer Stunde Verspätung heben wir dann endlich ab.

In dem Flugzeug befindet sich jede Menge „Safety Girls“. Wir nennen so die vielen Frauen, die ihre Körper mit sehr viel Silikon getuned haben. Selbst wenn wir über dem Meer abstürzen sollten, würde das Flugzeug Dank dieser Frauen schwimmen.

Seit unserer Ankunft in Kolumbien beobachten wir schon, wie viele Frauen ganz offensichtlich etwas machen haben lassen. Leider nicht zu deren Vorteil.

Wir landen in Santa Marta, eine Stadt am Karibischen Meer.

Rasch beziehen wir unsere Unterkunft und gehen gleich noch aus.

Die Stadt brummt. Überall spielt gute Musik, es sind viele Straßenkünstler zu beobachten und ein Lokal liegt neben dem nächsten.

Wir gehen noch beim Meer vorbei.

So viele Menschen in guter Laune, dazu 33 Grad, so hält man den Abend gut aus.

Bei wunderbaren Abendessen sorgt die Liveband für großartige Salsamusik.

 

Heute wäre ein Abend zum Versumpern, wir müssen aber doch zurück und für morgen packen.

Wichtige Mitteilung:

Liebe Mitlesenden, wir begeben uns die nächsten 4 Tage auf eine Expedition fernab jeglicher Zivilisation.

In dieser Zeit werden wir keinen Internetzugang haben.

Der Blog legt daher eine kurze Pause ein. Aber seid euch gewiss, sofern uns die Moskitos nicht auffressen, erfolgt gleich danach eine spannende Zusammenfassung, mit den Erlebnissen dieser 4 Tage.

Liebe Grüße, Manuela & Stefan

Medellín

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen von Medellín.

Medellín ist eine soweit passable Stadt, die jedoch eine äußerst gewaltreiche Geschichte hat. Bis vor einigen Jahren zählte sie noch zu den gefährlichsten Städten der Welt. Mittlerweile ist die Stadt des “Ewigen Frühlings” jedoch eine moderne Stadt und gilt als relativ sicher.

Gleich in der Früh starten wir los. Wir haben uns für eine geführte Tour entschieden, um mehr über Medellín, das Land und die Leute in Erfahrung zu bringen. Der Schwerpunkt dieser Tour, die für gute 3 Stunden angesetzt ist, ist die Comuna 13.

Wir fahren mit der Metro ein ganzes Stück in einen anderen Stadtteil.

Die Metro in Medellín ist nicht nur unglaublich sauber und modern, sondern sie fährt auch unter freiem Himmel. Sie führt durch die ganze Stadt hindurch und erlaubt einen wundervollen Blick auf die Stadt.

In Medellín gibt es 16 Comunas, die zwischen 1 und 6 klassifiziert sind. Wobei 1 sehr arm bedeutet und 5-6 als wohlhabend gesehen wird. Die Qualifizierung erfolgt aufgrund der Ausbildung, des Jobs und dem Einkommen .

Unser Guide Stiven ist selbst in der Comuna 13 aufgewachsen, die in den 80 und 90er Jahren als die ärmste und gefährlichste Comuna weltweit galt.

Pablo Escobar hat die Armut dieser Comuna ausgenützt. Da die Menschen zu der Zeit weder Geld noch Arbeit hatten, bot er ihnen beides, um gewann sie so für seine kriminellen Machenschaften.

Den Namen Escobar’s sprechen die Kolumbianer heute nicht mehr aus. Zu schmerzhaft sind die Erinnerung an diese von Gewalt und Grausamkeit begleitete Zeit. Wenn sie über ihn reden, verwenden sie die Kürzel P.E.

Stiven lebt heute noch hier. Die Comuna 13 ist bekannt für die vielen Graffitis und Murals.

Aber auch die Rolltreppen erleichtern das Leben der Bewohner dieses steilen Hügels massiv.

Jeder Hügel der Comuna hat ihren Schwerpunkt. Einer ist bekannt für gutes traditionelles Essen, ein anderer für Textilprodukte usw.)

Stiven erzählt viel über die Geschichte, die Probleme mit den Drogen, welche Kolumbien bis heute immer noch hat. Man merkt, wie emotional all diese Themen immer noch für ihn sind, wenn er von den Paramilitärs und den Guerillas von damals spricht und welch grausame Erlebnisse er in seiner Kindheit beobachtet haben muss.

Ich bin in solchen Momenten immer besonders dankbar, in Österreich aufgewachsen zu sein.

Inzwischen wurden die Guerillas reintegriert und sie bekamen sogar Sitze im Senat, um ihre Anliegen zu vertreten. Stiven betont immer wieder, dass Kolumbien nach wie vor ein massives Problem mit dem Drogenhandel hat, wenngleich sich die Verteilung verlagert hat. Die Einnahmen durch den Drogenhandel steigen von Jahr zu Jahr, aber Kolumbien ist nicht mehr der große Dealer, sondern liefert jetzt an andere Große, die die Verteilung übernehmen. Derzeit gilt Mexiko als großer Abnehmer.

Es ist ca. 30 Jahre her, als in Medellín noch ca. 18 Menschen pro Tag brutal ermordet wurden.

Im Vorjahr wurden in dieser Stadt „nur“ noch 2 Personen pro Tag ermordet. Das ist zwar deutlich weniger, aber immer noch zu viel. Wobei man am Rande erwähnen muss, dass es sich hierbei mehr um Morde innerhalb der Familie handelt. Das ändert natürlich nichts an der Tragödie, allerdings soll es eine nachweisliche Veränderung in dieser einst von brutaler Gewalt gezeichneten Stadt aufzeigen.

Die Banden von damals gibt es heute nicht mehr in dieser Größenordnung. Auch sind die Banden heute nicht mehr so gewaltbereit. Sie beschützen heute die Bevölkerung, allerdings gegen eine Gebühr. Jedes Unternehmen, egal ob es der Straßenverkäufer ist oder die große Firma, hat von den monatlichen Einnahmen 1% an die jeweilige Bande abzugeben. Die Bandenmitglieder holen sich die Abgaben persönlich beim jeweiligen Unternehmen ab.

In Medellín ist mir besonders negativ aufgefallen, wie viele Mütter am Abend mit ihren Kindern auf der Straße sitzen und betteln. Es zerreißt mir dabei fast mein Herz. Diese Kinder haben keinerlei Perspektive. In Kolumbien gibt es keine Schulpflicht. Allerdings gibt es viele Schulen, die aufgrund der begrenzten Kapazitäten im Schichtbetrieb geführt werden. Der Unterricht findet von 6 Uhr bis 12 Uhr mittags statt und dann kommen schon die Schüler der zweiten Schicht von 12 Uhr bis 18 Uhr zum Unterricht. So kann man möglichst vielen Kindern eine schulische Bildung ermöglichen, die übrigens kostenlos ist.

Es gibt auch eine tolle Betreuung ausserhalb der Schulzeit, die Möglichkeit zum Lernen als auch für sportliche Zwecke bietet. Alles in allem sehr fortschrittlich. Dennoch gibt es genug Kinder, die die Schule nicht besuchen. Einerseits, weil sie arbeiten und so zum Familieneinkommen beitragen oder betteln.

Stiven erzählt uns, dass es viele Foundations gibt, die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen.

Es gibt die Foundation für Hip Hop oder zum Englisch lernen und einige mehr.

Er selbst ist in einer armen Comune aufgewachsen, hat viermal den Aufnahmetest für die öffentliche Highschool versucht und hat es nie bis zur Aufnahme geschafft, weil jeweils nur 5-10% der Bewerber aufgenommen werden. Eine private Highschool war für die Familie nicht leistbar. Er hat Dank der Foundation Englisch gelernt und arbeitet seither als professioneller Tourguide. Sein Englisch ist sensationell, es spricht perfektes amerikanische Englisch, wirklich sehr beeindruckend. Dank dieser Foundations bekommen junge Leute trotz eines armen Backgrounds die Möglichkeit, etwas aus ihrem Leben zu machen und Ziele zu erreichen.

Nach der Tour gehen wir noch im Alleingang durch die Comune. Es ist sehr touristisch hier.

Aber zu unserem Erstaunen, gibt es immer wieder auch nette Galerien.

Ein plötzlicher Regenguß führt uns in ein Rooftop Lokal. Wir sind hier die einzigen Touristen und werden sehr nett empfangen.

Nach dem Essen verlassen wir mit dem Bus die Comuna.

Unser nächstes Ziel sind zwei weitere Comunen auf einem anderen Berg. Wir fahren 20 Minuten mit der Seilbahn über zwei Berge.

Hätte uns vorher jemand erzählt, dass es in Comunen eine derartig moderne Seilbahnanlage gibt, wir hätten es nicht für möglich gehalten. Doch dieser bessere Anschluss der Armenviertel auch auch deren Lebenssituation verbessert.

Nachdem es immer noch leicht regnet, sehen wir uns diese Comunen nur von der Seilbahn aus an. Das ist auch ausreichend. Die Häuser sind sehr dicht aneinander gebaut und die meisten in einem desolaten Zustand.

Wir fahren der Metro zurück und gehen wieder in unser Café.

Ein anschließender Spaziergang führt uns in ein sehr nettes Restaurant. Dort genießen wir ein kulinarisches Verwöhnprogramm.

Die laue Nacht an unserem letzten Abend in Medellín genießen wir dann noch auf unserer kleinen Terrasse.

Buena Noche Medellín

El Peñol – Guatapé

Wir haben heute den letzten Tag das Auto und so wollen wir den Tag noch nützen und zum El Peñol fahren. Es handelt sich dabei um einen großen Fels aus Granit, der sich am Rande eines Stausees erhebt und über 700 Stufen bestiegen werden kann.

Nach zwei Stunden Fahrt kommen wir um 10 Uhr dort an. Der Fels ist noch vom Nebel umgeben. Ehrlich gesagt ist er ziemlich hässlich. Und rundum ist alles sehr touristisch.

Aber jetzt sind wir schon hier und nehmen uns der Stufen Challenge an.

Der Aufstieg zeigt sich als Gruppen-Keuch-Bewerb. Ausser Atem kommt jeder beim Aufsteigen, aber manche erklimmen die Stufen auf allen Vieren, weil sie schon am Limit ihrer Kräfte sind. Aber trotz allem ist man recht schnell oben.

 

 

Wir genießen kurz die Aussicht und dann treten wir auch schon wieder den Abstieg an.

Dem naheliegenden Ort Guatapé wollen wir noch einen Besuch abstatten, er ist bekannt für die vielen bunten Häuser.

Die Häuser sind wirklich farbenfroh und schön anzusehen.

 

 

Das Rundherum ist aber extrem touristisch und der Ort verliert dadurch an Charme.

Aber das ist unser Empfinden, da wir den Massentourismus selbst nicht mögen. Damit einhergehend sind dann die Restaurants darauf abgestimmt und das angebotene Essen ist nicht mehr authentisch und schmeckt auch weniger gut. Dieser Eindruck hat sich zu Mittag dann auch bestätigt.

Nach einem Rundgang durch den Ort, fahren wir wieder zurück nach Medellín.

Man sieht in Kolumbien immer wieder wunderschöne Villen in moderner Architektur. Der Unterschied zwischen arm und reich ist deutlich ersichtlich

Viele Kolumbianer fahren mit dem Rad, es gibt inzwischen auch einige Radwege. Überlang sehen wir auch immer wieder Gruppen von Radfahrern.

Wir kommen in Medellín an und geben auch gleich unser Auto zurück. Mit dem Uber fahren wir kurz in unser Appartement zum frisch machen.

Für heute haben wir genug gesehen, wir setzen uns in ein Cafe und lassen die Seele baumeln.

Heute Abend steht noch Salsa tanzen am Programm. Am Weg dorthin kommen wir bei einem Barber Shop vorbei. Nachdem wir fürs Salsa tanzen noch etwas zu früh dran sind, überrede ich Stefan seinen Bart doch hier trimmen zu lassen. Überbrückt ist Zeit bis zum Tanzen und spart ihm Zeit, weil er es nicht selbst machen muss.

Der Barber legt gleich los und bring neben der Schneidemaschine auch noch die Rasierklinge und viel Dampf zum Einsatz.

Nach getaner Arbeit verlassen wir den Barber Shop mit einem kolumbianischen Cut, der zugegebenermaßen etwas verschnitten ist. Aber macht ja nichts, wächst rasch nach und war ein Erlebnis.

Schon bald nach Eintreffen in der Salsabar legt die Live Band auch schon los. Eine super Stimmung motiviert die Leute zum Tanzen.

So auch uns, wir tanzen bis zur Sperrstunde und gehen dann gemütlich durch die Stadt nach Hause.

Buona Noche Medellín