Himejijo – Kyūshū – Unzen Hell

Wir haben den Wecker für 6:15 Uhr gestellt. Mir geht es heute etwas besser und die Körpertemperatur ist wieder im normalen Bereich.

Mit dem Taxi fahren wir zu der 30 Minuten entfernten Station Shin Osaka und nehmen dort den Shinkansen Richtung Hakata, allerdings kaufen wir die Tickets nur bis Himeji, da wir dort das Castle besichtigen möchten. Nach 45 Minuten mit einer Geschwindigkeit von 300 km/h, kommen wir auch schon an.

Leider regnet es hier und wir kaufen uns im Family Mart noch schnell einen dieser billigen Regenschirme, die in Japan überall angeboten werden und versperren unser Gepäck am Bahnhof.

Zu Fuß gehen wir die 15 Minuten bis zu der wunderschönen Burg aus dem 17. Jahrhundert, die aus Holz und Stein erbaut und in ihrer weißen Pracht schon aus der Ferne zu sehen ist. Sie gehört zu den nationalen Kulturschätzen Japans und wurde 1993 von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

Die Dächer und Wände der Burg wurden von 2010 bis 2015 renoviert. Nach der Besichtigung des Aussenbereiches sind wir trotz Schirm schon recht nass und freuen uns, endlich das Innere der Burg besichtigen zu können.

Allerdings muss man dabei die Schuhe ausziehen und über den eiskalten Boden gehen. Schlapfen gibt es momentan Dank der Coronahysterie keine. Da die Fenster der Burg nicht zu verschließen sind, ist es innen genauso kalt wie draussen.

Zurück bei der Shinkansen Station kaufen wir noch Mittagessen und setzen die Fahrt fort und nach exakt 2 Stunden sind wir in Hakata. Die Fahrt im Shinkansen mögen wir sehr, da man auf angenehme und bequeme Art innerhalb Japans schnell vorankommt. Mit dem Auto hätten wir mehr als doppelt so lange hierher gebraucht.

In Hakata nehmen wir unser Mietauto entgegen. Es ist immer wieder eine Sucherei nach dem richtigen Weg, da vieles nicht auf Englisch angeschrieben ist, beziehungsweise die Japaner kaum oder schlecht Englisch sprechen. Aber irgendwie kommen wir immer voran und so finden wir auch das Büro der Autovermietung. Diesmal bekommen wir einen kleinen, neuen Mazda mit Sportmodus, welches sich für die kommende Fahrt über die enge Serpentinenstraße sehr zu unserer Freude auswirkt.

Kurz vor 18 Uhr sind wir in unserem Hotel in Unzen Hell. Unzen Hell ist ein Ort auf Kyūshū, der drittgrößten Hauptinsel Japans, die eine Einwohnerzahl von 13 Millionen Menschen verzeichnet. Der gesamte Ort wirkt wie ein etwas vernachlässigter Kurort und auch die Hotels wirken allesamt schon sehr in die Jahre gekommen. Auch unser Hotel erscheint uns etwas desolat, doch durch den für uns nicht alltäglichen asiatischen Stil ist es aber nicht gar so schlimm.

Wir wollen gleich noch das Onsen im Hotel ausprobieren. Onsen nennt man die Gemeinschaftsbäder, die mit sehr heißen Wasserbecken ausgestattet sind. Erst duscht man nebeneinander auf kleinen Hocker sitzend, geht anschließend ins heiße Becken, bevor der zweite Durchgang beginnt. Die Onsen in den Hotels in Unzen Hell haben eine Zuleitung der Quelle im Ort und sind mit Thermalwasser mit viel Schwefel ausgestattet, dementsprechend riecht es auch im ganzen Ort. Die meisten Onsen sind leider zwischen Männer und Frauen separiert, somit müssen wir beide unterschiedliche Räumlichkeiten aufsuchen. An dem Abend stehen Frauen zwei verschiede Onsen zur Verfügung. Beide sind schon sehr desolat, sehr dunkel und hätten eine Renovierung dringend notwendig. Bei den beiden für die Männer, befindet sich eines im neuen Trakt des Hotels und ist im neuen Design, welches Stefan sehr gut gefällt. Es war aber trotzdem gut und hat hoffentlich den angehenden grippalen Infekt komplett besiegt.

Beim anschließenden Abendessen handelt es sich um ein Private Kaiseki Dinner. Wir werden in einen kleinen Raum nur für uns geführt. Der Tisch ist schon mit wunderbaren Köstlichkeiten gedeckt und laufend kommen weitere hinzu.

Nach eineinhalb Stunden non-stop essen, bleibt uns nur noch der Weg in unser Zimmer, da die Hotelbar immer nur bis 18 Uhr geöffnet ist. Hier bestätigt sich wieder der Charakter einer Kurortes.

Im Zimmer wurden schon die Matratzen am Boden bereit gelegt. Es scheint, als werden wir die Nacht auf sehr dünnen Matratzen verbringen.

Gute Nacht Unzen Hell

Osaka

Heute steht Sightseeing light am Programm, vielmehr möchten wir den kulinarischen Spuren Osakas folgen.

Am Weg zu einem kleinen Tempel, den wir unbedingt sehen möchten, kommen wir an zahlreichen Shops vorbei, in denen ein Automat neben dem anderen steht und aus denen man nach Einwurf von Münzen mit einem Greifarm Stofftiere, Spielfiguren, Schlüsselanhänger und sonstige unnötige Dinge herausfischen kann.

Eigentlich dachten wir, dass man damit Kinder anlocken möchte, doch weit gefehlt. Es sind ausschließlich Jugendliche und Erwachsene vorzufinden und die Schilder an der Wand zeigen, dass der Eintritt erst ab 18 Jahren gestattet ist.

Wir sind beim Hozenji-Tempel im Dotombori Viertel angekommen. Er ist in einem Durchgang versteckt, unweit von den Gassen mit den vielen Leuchtreklamen und der intensiven Geräuschkulisse. Nur kurz von den belebten Straßen abgebogen, trifft man hier auf eine Gegend aus den alten Zeiten Osakas. Beim Tempel befindet sich die wunderschöne Mizukake-Fudo-Statue, die wir mit Wasser begießen und uns dann etwas wünschen dürfen.

Die Gegend hinter dem Tempel nennt man Hozenji Yokocho und umfasst einige kleine sehenswürdige Gassen mit vielen kleinen Restaurants. Hier kann man überall Teppanyaki, Okonomiyaki und andere kulinarische Köstlichkeiten probieren.

Wir ziehen weiter in die überdachten Arkaden im Dotombori Viertel und anschließend Richtung Namba Viertel, wo sich der Kuromon Ichiba Markt befindet.

Bei einem der Stände kaufen wir Kobespießchen und Jakobsmuscheln. In Japan ist es verpönt auf der Straße bzw. beim Gehen zu essen. Kauft man bei den Ständen, so darf man davor stehenbleiben und essen bzw. gibt es gelegentlich auch einen kleinen Essbereich hinter dem Stand. Beim Schlendern durch den Markt sehen wir allerhand interessante Dinge. Der nächste Stopp ist wieder der Kulinarik gewidmet. Für Stefan wird es erneut ein Kobe Beef und für mich köstliches Sushi und ein großer Scampi.

Das nächste Ziel ist das Shinsaibashi Viertel, nördlich von Dotonbori. Dort befindet sich eine 600 Meter lange Shopping Straße. Es ist lustig durchzugehen, aber nach Shopping ist uns beiden nicht und so schlendern wir weiter.

Im Shinsaibashi Viertel sind zahlreiche Niederlassungen und Shops von Luxusmarken beheimatet. Gucci, Prada, Burberry, Michael Kors, Louis Vuitton, Boss und zu unserer Freude auch ein Apple Store, dem wir natürlich einen Besuch abstatten.

Wir kommen im American Mura Viertel, westlich von Shinsaibashi an, welches einen Mix der amerikanischen und japanischen Kultur zeigt. Es ist als Hypsterviertel bekannt und das Zentrum für die Trends der japanischen Jugend. Hier befinden sich viele Geschäfte, Cafes, Bars, Restaurants und Nachtclubs. Die Gegend wird geziert mit kreativ gestalteten Straßenlaternen, die nur in diesem Teil der Stadt zu sehen sind. Auf dem Dach eines Gebäude in der Sankaku-Koen,  steht ein Nachbau der Freiheitsstatue.

Es ist inzwischen Nachmittag, als wir uns ein Cafe mit WLAN suchen, da wir für morgen noch ein Hotel in Unzen Hell sowie ein Mietauto buchen müssen. Mir ist plötzlich furchtbar kalt, begleitet von Gliederschmerzen und so trifft sich das ganz gut und der heiße Tee wird helfen. Gute zwei Stunden und 4 Tassen Tee später, sind die Gliederschmerzen noch schlimmer. Der Zeitpunkt ist grad denkbar unpassend, wollten wir doch heute unbedingt in einem Straßenlokal zirka 30 Minuten von unserem Hotel essen.

Wir haben Toyo in einer Dokumentation über Streetfood in Japan entdeckt. Da heute die letzte Möglichkeit ist, fahren wir mit der U-Bahn zu ihm. Als er uns sieht, begrüßt er uns freundlich, macht bei sich am Kochtisch zwei Plätze frei und holt uns zu sich. Leider spricht er kaum Englisch, aber irgendwie kann er sich dann doch verständigen. Er ist ein Showkoch. Während wir essen, holt er Stefan und mich immer wieder zu sich, wir müssen den Mund öffnen und er steckt uns ein Überraschungssushi in den Mund. Seine Showeinlage ist das Braten von Fleisch und Fisch mit einem Bunsenbrenner, wobei er mit seiner Hand das Grillgut wendet. Er ist ein absolut Showmen.

Das Essen war der absolute Hammer und sehr zu empfehlen. Es ist inzwischen kalt geworden und ich fühle mich sehr grippig, so fahren wir ins Hotel, dort werde ich von Stefan noch mit grünem Tee und Aspirin C gedopt.

Gute Nacht Osaka

Kōya-san – Nara – Osaka

Heute Früh müssen wir zeitig unser Matratzenlager verlassen. Um 7 Uhr beginnt schon das Morgenritual mit den Mönchen im Haupttempel. Sie rezitieren die Sutren in wunderschöner Atmosphäre.

Anschließend begeben wir uns in einen kleinen Tempel im Aussenbereich, wo die morgendliche Feuerzeremonie stattfindet.

Nach gut einer Stunde im Schneidersitz müssen wir unsere Beine erst mal wiederbeleben, um aufs Zimmer zurück gehen zu können, wo auch gleich das vegane Frühstück serviert wird.

Nachdem uns der Friedhof gestern Nacht so sehr begeistert hat, wollen wir diesem auch bei Tageslicht nochmals einen Besuch abstatten. Er gleicht einem Zauberwald und es fühlt sich so an, als würde jeden Moment eine Fee erscheinen. Alte Steine mit Moos überwachsen, riesige alte Bäume, bei denen es sich hauptsächlich um japanische Zedernbäume handelt, viele schöne Skulpturen an denen sichtlich der Zahn der Zeit nagt.

Es findet gleich das Speiseritual für Kôbô Daishis Essen statt. Die Mönche tragen eine große Kiste, in der sich das Essen befindet, zum Tempel am Hügel. Dort rezitieren sie wieder Sutren.

Mit dem Auto treten wir die Reise nach Osaka an. Stefan fühlt sich heute ein bisschen schlapp und meint, dass es aufgrund der veganen Speisen ist. Das Frühstück war alles andere als nahrhaft und den kalten, mit Wasser vollgesaugten Tofu haben wir ausgelassen. Am Weg wollen wir einen Abstecher nach Nara machen. Dort besichtigen wir den Tempel, in dem der „Big Buddha“ zu sehen ist.

In Nara laufen seit Menschengedenken in der gesamten Stadt Rehe herum. Sie überqueren seelenruhig die Straßen, betteln vor Geschäften und Shops um Futter und sind überhaupt nicht menschenscheu.

Wir müssen auch schon wieder weiter, da wir das Mietauto um 18 Uhr in Osaka zurück geben müssen, es klappt alles wie geplant.

Trotz dem Kampf mit dem Navi in japanischer Sprache, kommen wir pünktlich in Osaka an. Osaka ist eine Businessstadt und wirtschaftliches Zentrum der Region. Die Stadt verzeichnet 2,7 Millionen Einwohner.

Gleich nach dem Einchecken machen wir uns zu Fuß ins bunte Treiben der Stadt. Unterwegs kehren wir auf ein paar kulinarische Kostproben bei diversen Straßenküchen ein.

Es ist unfassbar, was hier los ist. Es blinkt und leuchtet überall, es gibt kein Gebäude ohne überdimensionierte Leuchtreklame. Hinzu kommt laute Musik oder Geräusche aus den vielen Automaten.

Wir sind total reizüberflutet, finden die Stadt aber trotzdem cool. Wir suchen uns ein Teriyakilokal und bekommen Plätze an der Bar zugeordnet.

Wir nehmen das Chef Menue, der Koch bereitet unterschiedliche Happen für uns zu, bis wir stoppen und die weitere Auswahl selbst treffen können oder eben das Essen beenden. Es war köstlich und wir führen eine angenehme Unterhaltung mit den beiden Köchen, die uns auch wieder Tipps für die Weiterreise geben. Nachdem wir uns beim Personal auf japanisch bedanken und verabschieden, erklärt uns die Kellnerin, dass man in Osaka andere Vokabeln dafür verwendet. Die Einwohner Osakas sprechen einen japanischen Dialekt, der Ōsaka-ben genannt wird. Osaka ist zudem als „Küche Japans“ bekannt. Fragt man die Einheimischen, welche Sehenswürdigkeiten man in Osaka besichtigen soll, antworten sie mit „just eating“.

Nach dem Abendessen geben wir uns wieder der Reizüberflutung hin und machen auch noch einen Abstecher in ein Kaufhaus, weil uns fasziniert, was es hier alles zu kaufen gibt. So viel Zeug, das wir im Leben nicht kaufen würden. Einen Screen Cleaner fürs Handy, Unmengen an Kleider, Röcken, Kimonos, Schuhe uvm. für Hunde und Katzen. Dabei sieht man auch in Osaka so gut wie keine Hunde. Auf den Straßen stehen alle paar Meter unzählige Automaten, die diese kleinen Plastikbälle mit einer Überraschung anbieten. Wir zählten auf einem Fleck mehr als 140 Automaten. Die Einheimischen sind wirklich lustig und eigentlich sehr kindisch.

Am Heimweg ins Hotel kehren wir noch in einer Bar auf einen Sake ein.

Gute Nacht, crazy Osaka.

Kōya-san

Gleich nach dem Frühstück, holen wir unser Mietauto ab. Wir werden darauf hingewiesen, dass man in Japan auf den Straßen nicht parken darf. Tut man es doch, muss man mit einer Strafe von rund 250 Euro rechnen. Es ist uns schon die letzten Tage aufgefallen, dass die Autos nur auf den Farbahnen zu sehen sind. Ich glaube mich daran erinnern zu können, dass mir eine japanische Urlauberin mal erzählt hat, dass man in Japan ein Auto nur dann kaufen kann, wenn man einen Parkplatz vorweisen kann.

Das Fahren im Linksverkehr ist anfangs amüsant, aber wir gewöhnen uns sehr rasch daran und nach drei Stunden Fahrt und einer ewig langen Serpentinenstraße, kommen wir in Kōya-san am heiligen Berg an.

In unserem Tempel Eko-In empfängt uns ein Mönch freundlich und informiert uns über die Gepflogenheiten und die Aktivitäten im Tempel.

In Kōya-san gibt es in der Zwischenzeit nur noch rund 115 aktive Tempel, wobei etwas über 50 davon auch für Touristen bewohnbar sind. Die Siedlung ist ein einflussreiches Zentrum der buddhistischen Shingon-Lehre.

Wir beziehen unser Zimmer, dessen Mittelpunkt der Teppich in der Mitte des Zimmers darstellt. Auf diesem wird gefrühstückt, zu Abend gegessen und auch geschlafen. Das WC ist am Gang und es gibt ein Gemeinschaftsbad (Onsen), welches zu fixen Zeiten jeweils in der Früh und am Abend benützt werden darf.

Im Wintergarten unseres Zimmers machen wir gleich mal heißen Tee. In den Räumlichkeiten ist es überall sehr kalt. Die Häuser sind nicht isoliert und die Außenwände sehr dünn. Das gesamte Haus verfügt über Schiebetüren, wobei die Aussentüren genauso filigran sind wie die Innentüren, deshalb ist es sehr schwer, die Räume zu beheizen. In den Wohnräumen stehen überall Heizstrahler, die auf Hochtouren laufen. Am besten, man setzt sich in die Nähe eines solchen, denn auch von den Wänden strahlt Kälte ab.

Ein Mönch bringt uns auf Anfrage Bögen mit Herz-Sutratexten, die wir mit Pinsel und Tinte nachzeichnen können.

Das Herz-Sutra wird auch als Zusammenfassung der Prajñāpāramitā-Literatur betrachtet, einer sechshundertbändigen Bearbeitung der Lehre Buddhas.

Am späteren Nachmittag wird im Meditationtempel meditiert, da möchten wir pünktlich sein. Wir nehmen am Meditationspolster am Boden Platz und bekommen eine kurze Einführung von einem Mönch. Eine große Herausforderung stellt das Sitzen im Schneidersitz und auch die Konzentration dar. Wir sollen mit halbverschlossenen Augen beim Ein- und Ausatmen bis 10 zählen, wobei man durch die Nase einatmen und bei den ersten drei Atemzügen durch den Mund ausatmen soll, die weiteren sieben nur durch die Nase. Diesen Vorgang wiederholen wir während der gesamten Meditation, jeder für sich. Das klingt einfach, stellt sich dann aber doch als schwierig dar, weil sich immer wieder Gedanken von aussen im Kopf breit machen. Nach einer halben Stunde ist die Meditation beendet und wir gehen durchgefroren zurück aufs Zimmer, wo auch gleich das Abendessen serviert wird. Der Tisch wird weggeschoben und das Essen am Teppich angerichtet. Es sieht toll aus und schmeckt auch recht gut.

Nach dem Essen bringen die Mönche die Matratzen und die Bettwäsche ins Zimmer.

Dann ist es auch schon Zeit, um zur Nachtwanderung zum nahegelegenen Friedhof Okunoin aufzubrechen.

Kōya-san ist 3 Kilometer lang und nur 2 Kilometer breit. Der Okunoin nimmt einen Großteil der Stadt ein und ist ein Wald aus zweihunderttausend Grabstätten und trägt zur mysteriösen Aura des Bergs Kōya bei.

Die Stimmung der Nacht wirkt sich da noch verstärkt aus.

Auf diesem Friedhof steht das Mausoleum von Kôbô Daishi, dem Begründer des japanischen Shingong Buddhismus.

Unzählige Legenden spinnen sich um seine Existenz und viele glauben, dass er noch am Leben sei und in den Tiefen des Friedhofs meditiere. Auf dem Friedhof gibt es eigens eine Küche, in der die Mönche täglich frisches Essen für Kôbô Daishi zubereiten.

Wieder zurück im Tempel gehen wir noch ins Onsen. Ein Gemeinschaftsbad, getrennt zwischen Männer und Frauen.

Man sitzt nebeneinander auf einem Hocker und duscht sich erst einmal ab. Anschließend geht man in das Becken mit sehr heißem Wasser. Die Temperatur ist in dem Fall sehr angenehm, da wir seit unserer Ankunft im Tempel frieren. Nach dem ersten Bad im Wasser, setzt man sich nochmals zum Duschen auf den Hocker, seift sich ordentlich ein, duscht sich nochmals ab und setzt sich anschließend nochmals ins heiße Becken. Nach dem Verlassen des Beckens beim zweiten Mal, soll man das Wasser nicht mehr abwaschen. In unsere Kimonos gewickelt gehen wir durch die eisigen Gänge zurück in unser Zimmer und freuen uns auf die dicken Federdecken.

Gute Nacht, Kōya-san

Letzter Tag in Kyōto

Der letzte ganze Tag in Kyōto ist angebrochen. Unser erstes Ziel heute Früh ist der Nishiki Markt. Den haben wir uns für heute aufgehoben, da Regen angesagt ist und der Markt überdacht ist. Im Moment ist es aber noch trocken und wir machen einen kurzen Stopp im Cafe Lucca und trinken Espresso und grünes Smoothie aus japanischem Spinat, Bananen und Mandelmilch.

Frühstücken wollen wir dann gleich am Markt, den wir kurz darauf erreichen. Köstliche Waren werden angeboten. Frisches Seafood wohin das Auge reicht, Zuckerl in vielen Sushi Miniaturausführungen, Snoopy Marshmallows und vieles mehr.

Uns begeistert allerdings das Seafood. Ein Stand fällt uns auf, wo die Einheimischen schon Schlange stehen und den rohen Fisch und die Muscheln zum sofortigen Verzehr kaufen. Es war schnell klar, dass wir auch etwas davon kaufen wollen. Stefan Wahl fällt auf den Spieß mit rohem Thunfisch und für mich wird es eine riesige Auster. Eine in der Größe habe ich bisher noch nie gegessen. Frische Ware und entsprechend köstlich hat es dann auch geschmeckt.

Nach dem Markt gehen wir in das Messergeschäft Kyōto Takegame, welches uns Nori der Restaurantbesitzer vorgestern empfohlen hat.

Koji Hirose ist ein guter Freund von ihm und Nori verwendet auch diese Messer in seinem Restaurant. Seit langem wollen wir uns ein neues Küchenmesser kaufen, aber alle bisherigen in Wien waren uns zu teuer. Als wir die Reise nach Japan planten, war klar, dass wir hier ein entsprechendes Messer kaufen werden. Ein sehr schicker Shop in modernem Design erwartet uns. Nach ausführlicher Beratung haben wir uns auch schon für eines entschieden. Der Griff aus Magnolienholz, die Klinge aus Carbonstahl mit einem Honba-Zuke Abzug, einer in Japan beliebten Schleifmethode. Den entsprechenden Schleifstein bekommen wir hier auch. Zuletzt wird unsere persönliche Gravur in die Klinge eingestemmt. Nachdem wir beide gerne kochen, entscheiden wir uns für unsere Vornamen. Wir freuen uns jetzt schon auf viele Kochgelegenheiten.

Da das Wetter heute weniger gut ist, machen wir zu Mittag eine Pause in einem Running Sushi Lokal. Sensationelle Sushis und eine für uns ungewöhnliche Vielfalt.

Die kleinen Tellerchen stapeln sich neben uns zu einem Turm. In Japan bekommt man in den Lokalen immer Wasser oder Tee kostenfrei zum Essen serviert. Hier im Lokal gibt es bei jedem Platz einen Heißwasseranschluss und man kann sich Matchatee selbst zubereiten.

Im Anschluss wollen wir zum Kaiserpalast. Inzwischen regnet es stärker und es ist ungemütlich kalt. Wir gehen die paar Kilometer aber trotzdem zu Fuß. Schon ziemlich durchgefroren kommen wir beim Palastgelände an, sind aber sehr enttäuscht, da man durch die Aussenmauer keinen Blick auf den Palast hat und die Tore verschlossen und bewacht sind.

Wir finden beim Ausgang eine Hinweistafel, dass der Palast seit Anfang Februar für Touristen geschlossen ist, nur einen Tag im März öffnen wird und dann erst wieder ab April für Besucher zugänglich ist. Völlig unterkühlt und nass fahren wir zu dem Einkaufscenter gegenüber von unserem Hotel. Vom Zimmer aus konnten wir sehen, dass es dort ein Katzencafe gibt. Wir sehen es uns von der Nähe aus an, gehen aber nicht hinein.

Zirka 15 Katzen befinden sich in dem Raum, hier kommen die Leute her und bezahlen Eintritt, damit sie die Katzen streicheln können. Mit Cafe als solches hat es nichts zu tun. Es gibt auch Gastkatzen, die wie kleine Stars stundenweise hierher zu Besuch kommen.

In den Shops findet man jede Menge Krimskrams. Begonnen von einem Massagegerät für das Handgelenk, ein weiteres für die Handflächen, jede Menge Plastikgeschirr usw. Generell ist in Japan noch weitaus mehr Plastik in Verwendung, als in Österreich. Man erkennt aber schon kleine Anzeichen, die darauf hoffen lassen, dass dieses Thema in den nächsten Jahren eine Verbesserung herbeiführt.

Am Abend sind wir wieder in der Pontocho Alley auf der Suche nach einem Restaurant. Samstag Abend ist wesentlich mehr los hier und einige Lokale schon ausgebucht. Wir finden dann eines, wo man am Boden sitzt, das spricht uns an. Beim Eingang werden uns die Schuhe abgenommen und man teilt uns mit, dass es ein vorgegebenes, mehrgängiges Menü gibt. Der erste Gang hat uns nicht wirklich begeistert, das Sashimi war ganz gut aber auch die weiteren Gänge waren nicht aufregend. Wir bemerken, dass die Einheimischen aus der Karte wählen können, das willen sie sich mit Touristen scheinbar nicht antun, da das Personal auch hier kaum Englisch spricht. Am Heimweg kehren wir noch auf einen Sake in einem kleinen urigen Lokal ein.

Die letzte Nacht in Kyoto, einer faszinierenden Stadt mit mehr als 1,4 Millionen Einwohnern bricht an. Wir sind täglich um die 10 Kilometer zu Fuß gegangen und konnten viel in der ehemaligen Haupt- und Kaiserstadt erkunden.