Feigenbaum

Ngorongoro Conservation Area

Heute können wir mal etwas länger schlafen. Der Camp Assistant füllt das Wasser zum Duschen um 7:30 Uhr ein. Das Duschzelt besteht aus einem Metallgestell auf dem eine Plane angebracht ist. Nach untenhin ist nur der Naturboden der Umgebung und nach oben hin ist es offen und es ist ein Sack angebracht, der bei Bedarf mit Wasser gefüllt wird. Shower on request, sozusagen. Wir freuen uns, dass warmes Wasser eingefüllt wird, denn regulieren kann man es nicht. Es hat in der Früh in etwa 17 Grad und es ist windig.

Die restliche Morgentoilette findet wieder am Waschplatz unter dem Vordach statt. Dabei entdecken wir, dass im Erdboden überall mehrere Zentimeter große Löcher sind. Aus diesen kommen also diese furchtbaren Käfer. Es stellt sich heraus, dass es sich um Mistkäfer handelt, nur sind sie hier überdimensional groß. Mit den Schuhen schaufeln wir die Löcher zu, auch wenn wir wissen, dass das nichts bringt. Um 8 Uhr gibt es Frühstück. Frische Ananas, Papayas, Orangen, Mango, Wassermelonen, einfach köstlich. Danach Eierspeise mit Tomaten und allem was das Herz noch begehrt.

Die Abfahrt war mit Raji für 8.30 Uhr ausgemacht. Er ist ein Sonnenschein, immer gut gelaunt und freundlich und stets darum bemüht, dass es uns gut geht. Er fragt, ob ein Massai mit uns im Auto mitfahren darf und wir sind von der Idee begeistert, weil wir gerne Kontakt zu den Einheimischen haben.

Der Massai spricht zwar nicht Englisch, aber dafür Suaheli, was ebenfalls eine Seltenheit ist, da Massais ihre eigene Sprache haben. Auf Suaheli kann er sich mit Raji gut verständigen und so erfahren wir einiges. Er heißt Ikoyo, ist 49 Jahre alt, hat zwei Frauen und sieben Kinder, davon sechs Mädchen und einen Buben. Es dürfte sich um eine etwas fortgeschrittenere Familie handeln, da die Kinder alle zur Schule gehen und noch nicht verheiratet sind. Ausserdem sind sieben Kinder für einen Massai eher wenig. Er ist sehr gut gelaunt und hält immer Aussicht nach Tieren.

Unmittelbar nach unserem Camp stoßen wir auf ein totes Zebra, welches von Unmengen an Geiern zerfressen wird. Ein Kampf zwischen den Geiern findet statt. Die schwächeren unter ihnen stehen im Abseits und warten auf das was übrig bleibt.

Die starken Tiere unter ihnen kämpfen um das frische Fleisch. Die Geier haben unfassbar gute Augen und sehen sehr weit, wenn es etwas zu fressen gibt. Sie beobachten auch, wenn andere Raubvögel etwas ansteuern, weil das auf eine Futterquelle hindeutet. Es waren gut 60 Geier hier versammelt und es ist noch kein Ende in Sicht. Ständig sind weitere im Landeanflug. Jene Geier, die die entsprechenden Schnäbel haben, um das Tier aufzubrechen sind zuerst dran. Ein unfassbares Gemetzel findet hier statt.

Wir fahren weiter und bekommen heute die „Great Migration“ der Tiere noch deutlicher zu sehen. Unmengen an Gnus und Gazellen sind mit ihren kürzlich geborenen Jungen unterwegs.

Auch Strauße, Giraffen und Zebras bekommen wir wieder zu sehen. Wir steigen aus und beobachten die Herden. In der Ferne entdeckt der Massei einen Honigdachs.

Wir fahren näher ran. Raji erzählt uns, dass man einen solchen sehr selten zu sehen bekommt, es ist also etwas besonderes. In seiner Nähe dürfen wir allerdings nicht aussteigen, da er sehr aggressiv und bissig ist und wenn er erst einmal zugebissen hat, dass lässt er nicht mehr los. Wir stoßen auch auf ein paar Hyänen.

Unterwegs treffen wir erneut auf einen Mistkäfer, der eine Kugel in der Größe eines Tennisballs vor sich herrollt.

Eine wunderschöne Weite liegt vor uns und durch die unterschiedlichen Grüntöne wirkt die Gegend fast malerisch. In der Ferne sehen wir einen Feigenbaum der schon mehr als 1000 Jahre alt ist. Wir gehen gemeinsam mit dem Massai zu Fuss hin, vorbei an den vielen Tieren und sind beeindruckt von der Landschaft.

Eine halbe Stunde später sind wir auch schon da und Raji wartet bereits mit dem Auto auf uns.

Er erzählt, dass der Baum, seitdem der Massai ein Kind war, nicht mehr weiter gewachsen ist. Einen derartig mächtigen und schönen Baum haben wir noch nie gesehen.

Es ist bereits Mittag und wir nehmen die Fahrt zurück ins Camp auf. Dabei treffen wir auf eine Straußenmutter mit 14 Kindern, die hurtig ihrer Mutter hinterherlaufen.

Kurz vorm Camp kommen wir nochmal bei dem toten Zebra vorbei oder dem was noch davon übrig ist. Die Geier haben es komplett ausgehöhlt, es ist nur noch das Skelett umhüllt mit der Haut und dem Fell übrig. In der Nähe läuft ein Hund mit einem Stück Zebrahaut im Maul herum. Die Natur hat seine eigenen Regeln.

Nach dem Mittagessen genießen wir die Sonnenstrahlen im Camp. Um 16 Uhr sind wir mit dem Massai verabredet und wollen gemeinsam den Nasara Rock hochklettern.Da kurz davor schon wieder schwarze Wolken aufziehen, gehen wir etwas früher los. Ikoyo geht mit den typischen Massaisandalen. Als wir beim Nasara Rock stehen, überlegen wir, wie wir da überhaupt raufkommen sollen. Der Stein ist glatt, steil und ziemlich hoch. Den ersten Felsen schaffen wir mit viel Mühe. Aufgrund mangelnder Englischkenntnisse versuchen wir mit Händen und Füßen den Massai zu fragen, ob wir diesen Weg dann auch wieder runter müssen oder ob es ein anderer sein wird. Er gibt uns zu verstehen, dass wir diesen Weg auch zurück nehmen werden. Alleine der erste Felsenabschnitt ist mehr als zwanzig Meter hoch, einige weitere in dieser Art folgen und es gibt nichts um sich festzuhalten. Spätestens beim Abstieg wird es regnen und der Felsen wird dann noch rutschig sein und wir haben keinerlei Sicherung, weder Helm noch Seil bei uns. Das ist uns dann doch zu viel und wir kehren um. Da beginnt es auch schon zu blitzen und ein enorm starker Donnerknall ist zu hören, der nicht nur uns, sondern auch den Massai völlig erschreckt.

Wir gehen ins Camp zurück und spazieren von dort aus einen Hügel auf der Rückseite der Zelte hinauf. Auch von hier aus haben wir eine tolle Aussicht. Allerdings müssen wir schnell zurück, da es immer stärker zu regnen beginnt. Wir ziehen uns ins Zelt zurück und wärmen uns mit Decken. Um 19 Uhr endet der Regen wieder und wir genießen die wunderschöne Aussicht von unserem Esstisch unter der Plane.

Heute werden wir wieder mit einem ausgezeichneten Menü verwöhnt. Schon am Nachmittag hat mir der Koch gezeigt, dass er heute schon frisches Weißbrot gebacken hat und mir erklärt, wie er das in der reduzierten Campküche zustande gebracht hat.

Es gibt köstliche Tomatensuppe und dazu Croutons aus dem frischen Weißbrot. Beef gefüllt mit Spinat, dazu wunderbare Kartoffel, Karfiol und Salat. Und allesamt ist sehr geschmackvoll.

Diesmal besucht uns nur einer der großen Falter beim Essen, die großen Mistkäfer kommen dann später vorbei. Sie surren so laut, wenn man sie wegstupst und starten gleich nochmal zum erneuten Angriff durch.

Bevor wir uns ins Zelt zurück ziehen, besprechen wir mit Raji noch den morgigen Tag. Vor unserem Zelt wimmelt es schon wieder vor Mistkäfer. Wir schupsen sie von der Bodenplane vorm Zelt, damit wir in Ruhe Zähne putzen können, aber das ist leider nicht möglich. Beim WC-Zelt erwarten uns die nächsten, sie fliegen wie verrückt gegen die Plane. Wir sind erleichtert, als wir im Zelt sind und die Plane von innen verschließen.

Lala salama

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