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2. Tag in Kyōto

27. Februar 2020/0 Kommentare/in Japan 2020/von Manuela und Stefan

Eigentlich wollten wir heute Früh sehr zeitig in den Bambuswald Arashiyama fahren. Nachdem wir gestern Abend aber erfahren haben, dass man im Moment zu jeder Tageszeit hinfahren kann, da es auf Grund der Virushysterie keinen Ansturm von Touristen gibt, haben wir keine Eile. Als es dann auch noch ein wenig zu regnen beginnt, verschieben wir den Besuch auf morgen. In der Boulangerie Shinshinto in der Nähe genießen wir köstliches Frühstück und planen währenddessen unsere Tour für den heutigen Tag.

Wir starten mit dem Fushimi Inari Schrein.
Der faszinierenden Schrein wurde im 8. Jahrhundert dem Reis- und Sakegott gewidmet. Durch die Hügel windet sich ein zauberhafter, scheinbar unendlicher Weg durch 5000 leuchtend orangene Tore, die sogenannten „Torii“.

Das macht diesen Schrein zu einem der beliebtesten in ganz Japan. Beim Spaziergang durch die höheren Ebenen sieht man auch zahlreiche Kleinschreine, Friedhöfe und Fuchsstatuen am Weg.

Der Fuchs wird als Bote des Getreidegottes Inari angesehen. Die Schlüssel, die die Füchse oft im Maul tragen, stellen die Schlüssel zu den Getreidespeichern dar. Dieser Schrein ist das zentrale Heiligtum für die insgesamt rund 40.000 Inari-Schreine in ganz Japan. Der Spaziergang entlang der Toriis erweist sich als richtiges Workout.

Wir bringen einige Kilometer hinter uns und unsere Fitness App verrät uns, dass wir insgesamt 66 Stockwerke bewältigt haben. Aber selbst die Mädchen und Frauen in ihren Kimonos und den Schlapfen zappeln die vielen Stufen entlang.

Jetzt wird es Zeit aufzubrechen, da wir uns für eine Tea Ceremony um 15:30 Uhr angemeldet haben. Wir nehmen zuerst den Zug zurück nach Kyōto und treffen auch hier wieder viele freundliche Menschen.

Als wir umsteigen, um den Bus zu nehmen, erfahren wir, das dieser heute nicht wie erwartet fährt. Wir sind schon knapp dran und nehmen ein Taxi. Unsere erste Taxifahrt in Japan. Die Hintertüre öffnet automatisch und die Sitze sind mit Spitzendecken überzogen. Ein witziger Anblick. Der Fahrer trägt Handschuhe und einen Mundschutz, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. In Kyoto tragen rund 80 Prozent der Leute einen Mundschutz. Es entsteht dadurch ein seltsames Bild.

Pünktlich kommen wir im Teehaus an und erfahren, dass wir die einzigen sind. Eine private Tea Ceremony, so mögen wir das. Die Teezeremonienmeisterin erklärt uns einiges über die Entwicklung des Tees und dessen Zubereitung.

The way of tea or 茶道 umfasst die nachfolgenden 4 Prinzipien:

Harmony 和 (wa)
Respect 敬 (kei)
Purity 清 (sei)
Tranquility 寂 (jaku)

Ausserdem lautet der Leitsatz: Everyday is a good day.

Dieses Gefühl haben wir schon seit unserer Ankunft. Wir sind bisher nur auf positive und freundliche Menschen getroffen.

Die Meisterin bereitet uns Matcha Tee zu und erklärt uns genau, welche Verhaltensregeln dabei einzuhalten sind.

Sie erzählt uns auch, dass sie seit 5 Jahren die Ausbildung zur Teezeremonienmeisterin macht und diese noch weitere 5 Jahre andauern wird. Am Ende der Session bereiten wir noch selbst eine Tasse Matcha Tee zu. Inzwischen ist es 16:30 Uhr, wir haben seit dem Frühstück nichts gegessen. Die Meisterin empfiehlt uns ein Sushi Lokal in der Nähe.

Zuvor möchten wir aber noch schnell den Goldenen Tempel „Kinkakuji“ ganz in der Nähe des Teehauses besichtigen. Während der Teezeremonie wurde die Sonne vom Regen abgelöst und es ist deutlich kälter. Wir lassen uns davon aber nicht abhalten und gehen das Tempelgelände ab.

Der Tempel ist mit Blattgold verkleidet, welches heute zum Schutz des Gebäudes fünf Mal so dick ist wie ursprünglich. Außerdem ist der Tempel für seine drei unterschiedlichen Baustile und den angrenzenden Spiegelteich bekannt, der mehrere kleine Inseln und Felsen umschließt.

Durchgefroren machen wir uns zu Fuß auf den Weg zu dem Sushi Restaurant hajime. Wir sind die einzigen Gäste und verstehen uns von Beginn an gut mit dem Chef.

Nori ist ebenfalls Weinliebhaber und erzählt uns stolz, dass er demnächst wieder nach Frankreich reisen wird. Er zaubert vor uns ein mehrgängiges Überraschungsmenü zu.

Dieses Sashimi und Sushi löst eine Geschmacksexplosion am Gaumen aus. Es ist nicht vergleichbar mit Sushi in Europa. Die Japaner verwenden keinen Lachs für das Sushi, nehmen auch nur wenig Reis und nur ganz wenig Sojasauce, wobei nur der Fisch ein wenig damit benetzt wird, keinesfalls darf der Reis darin getunkt werden. Es kommen noch zwei weitere Japaner dazu und so unterhalten wir uns den restlichen Abend mit Ihnen und bekommen erstklassige Tipps für unsere nächsten Ziele auf unserer Reise. Dieser Abend wird uns ewig in Erinnerung bleiben.

Kombanwa Kyōto

https://2-minutes.today/wp-content/uploads/2021/02/2-Minutes-Logo.png 0 0 Manuela und Stefan https://2-minutes.today/wp-content/uploads/2021/02/2-Minutes-Logo.png Manuela und Stefan2020-02-27 20:00:002020-03-03 13:28:512. Tag in Kyōto

Ankunft in Kyoto

26. Februar 2020/0 Kommentare/in Japan 2020/von stefan

Landeanflug auf Tokio. Exakt 10,5 Stunden und 9.247 Kilometer später von zu Hause entfernt, landen wir am Flughafen Haneda in Tokio. Es war ein sehr angenehmer Flug. Es waren großteils Japaner an Board. Wir hatten noch nie so ruhige und disziplinierte Mitreisende an Board. Die Japaner sind sehr darauf bedacht, niemanden zu stören und pflegen einen äußerst respektvollen Umgang mit ihren Mitmenschen.

Es ist 6:30 Uhr Ortszeit, am Flughafen bei BIC Camera kaufen wir gleich die Sim-Datenkarte fürs Handy, damit wir Google Maps verwenden können, sowie die neuen roten Suica Wertkarten für die öffentlichen Verkehrsmittel. Mit dem Monorail fahren wir zur Anschlussstelle vom Shinkansen. Dort kaufen wir am Schalter die Tickets nach Kyōto. Am Weg zum Bahnsteig besorgen wir noch schnell Sushi für die Fahrt und müssen nur wenige Minuten bis zum Eintreffen des spacig wirkenden Schnellzugs warten.

Der Schaltermitarbeiter hat uns zwei Plätze reserviert, dort machen wir es uns gemütlich und schon geht die Fahrt pünktlich um 8:45 Uhr los. Obwohl die Fahrgäste im Zug essen dürfen, ist alles blitzeblank sauber. Wir sind schon sehr hungrig und packen vorsichtig unser mitgebrachtes Sushi aus.

Irgendwie seltsam hier im Zug zu essen, aber es ist tatsächlich erlaubt. Mit 300 km/h braust der Shinkansen die Strecke entlang. Im Inneren merkt man die Geschwindigkeit gar nicht. Nach zweieinhalb Stunden kommen wir in Kyōto an. Um ins Zentrum zu kommen, nehmen wir die U-Bahn und anschließend den Bus. Im Hotel deponieren wir das Gepäck, da unser Zimmer noch nicht bezugsfertig ist.

Wir starten gleich mit unserer Sightseeingtour. Das erste Ziel ist der Shintõ-Schrein namens Yasaka, welcher im Jahr 656 im Gion-zukuri Stil erbaut wurde und als einer der größten Schreine Japans zählt. Im Jahr 869 wurden die tragbaren Schreine des Gion-Schreins durch die Straßen von Kyōto getragen, um eine Seuche zu bekämpfen.

Weiter geht es zum Kōdaiji-Tempel welcher von Nene im 17. Jahrhundert errichtet wurde, die in Trauer um ihren Ehemann Toyotomi Hideyoshi war.

Heute ist es ein Tempel der Rinzai Kenninji-Sekte. Innerhalb der Tempelanlage befinden sich wunderschöne Zen Gärten. In einem konnten wir zusehen, wie der Kies mit dem Rechen in Form gebracht wird. Schon der Anblick strahlt etwas Beruhigendes aus.

Beim anschließenden Spaziergang durch das Gion Viertel können wir viele Geishas sehen. Mit ihren wunderschönen Kimonos, perfekter Frisur und perfektem Make-Up schreiten sie stilsicher durch die Gassen.

Sie tragen weiße Strümpfe und dazu ihre Flipflops ähnlichen Schlapfen. Durch den engen Schnitt der Kimonos können Sie nur kleine Schritte machen und es wirkt ein bisschen wie kindliches zappeln.

Wir sind inzwischen seit 24 Stunden unterwegs und die Müdigkeit sitzt uns in den Knochen. Wir können kaum noch unsere Beine heben und jeder Schritt fällt uns schwer. Wir gehen ins Hotel, beziehen unser Zimmer und machen ein kurzes Nickerchen, welches wir dann auf eine Stunde ausweiten. Doch nach dem Aufwachen waren wir fast so müde wie zuvor. Wir mussten uns regelrecht zwingen aufzustehen und rauszugehen.

Zum Abendessen gehen wir heute in die Pontocho Alley, 15 Minuten zu Fuß vom Hotel entfernt. Da ist uns am Heimweg am Nachmittag schon ein Lokal aufgefallen, welches von sich behauptet, das beste Kobe Beef in der Stadt zu haben.

Die Steaks waren gut und das Fleisch zart und weich, der Wein dafür nicht genießbar. Es war dennoch ein nettes Lokal, ein bisschen eine Touristenabzocke, aber am ersten Tag hatten wir zu wenig Energie, um lange zu suchen.

Am Heimweg kehren wir noch in eine kleine Bar ein, um Sake zu trinken. Anfangs sind wir noch die einzigen Gäste und führen eine nette Unterhaltung mit der Kellnerin, die uns Tipps für die weitere Reise gibt. Sie erzählt uns auch, dass im Moment untypisch wenig los ist, da die chinesischen Touristen aufgrund des Coronovirus ausbleiben. In dem Fall gut für uns, wenn nicht so ein Trubel herrscht.

Immer noch müde machen wir uns gegen 23 Uhr zu Fuß auf den Heimweg.

Oyasuminasai/おやすみなさい

https://2-minutes.today/wp-content/uploads/2021/02/2-Minutes-Logo.png 0 0 stefan https://2-minutes.today/wp-content/uploads/2021/02/2-Minutes-Logo.png stefan2020-02-26 18:00:002020-03-03 13:28:02Ankunft in Kyoto

Letzte Vorbereitungen und Abreise nach Tokio

25. Februar 2020/0 Kommentare/in Japan 2020/von Manuela und Stefan

Es ist kaum zu glauben, nur noch wenige Tage bis zu unsere Reise nach Japan. Wieder mal dachten wir, dass wir genug Zeit zum Recherchieren hätten, doch die letzten Monate sind so rasch vergangen und wirklich viel Zeit haben wir nicht investiert. Ein wenig nachgelesen, wo wir am besten die Kirschblüte sehen könnten, ein paar Leute die selbst schon in Japan waren, nach ihren Eindrücken und Tipps gefragt. Zwei Abende haben wir investiert und zwei Hotels, eine Tempelübernachtung und die Inlandsflüge gebucht. Rückwirkend betrachtet haben wir nicht viel Aufwand betrieben, aber das passt gut für uns, so bleiben wir während der Reise flexibel und können bei Bedarf umdisponieren.

Im Internet gibt es sogar eine Website auf der ein „Cherry Blossom Forecast“ veröffentlicht wird.

Ein Blick darauf und uns war klar, dass wir diese ganz knapp verfehlen werden. Ein bisschen hoffen wir aber doch, dass die Vorhersage nicht Recht behält und so planen Tokio zum Schluss unserer Reise, weil wir da die größte Chance haben, die Bäume in ihrer Blütenpracht zu sehen. Sollte es dann doch nicht klappen, soll das kein Problem darstellen, es wird auch ohne Kirschblüte eine wunderbare Reise werden, da sind wir uns einig.

Die letzte Arbeitswoche war arbeitsintensiv und zusätzlich haben wir noch gegen einen aufkommenden grippalen Infekt angekämpft. Als ob das nicht schon genug wäre, sind die Medienberichte voll mit Meldungen über das Coronavirus. Anfangs haben wir dieses Thema nicht sonderlich beachtet, doch als plötzlich Freunde beginnen und fragen, ob wir unsere Reise wirklich antreten oder lieber doch stornieren wollen, kommt in uns Unruhe auf. Aber nicht weil wir Angst haben, uns anstecken zu können, vielmehr fürchten wir uns, dass unser Flug noch kurzfristig gestrichen werden könnte. Wir denken uns einen Plan B aus. Sollte der Flug nicht möglich sein, dann buchen wir um und fliegen nach Peru, dort ist das Coronavirus noch nicht angekommen. Mit Zink und Vitamin C stopfen wir uns die letzte Woche voll, um den grippalen Infekt zu bekämpfen und um ja kein Fieber zu bekommen. Denn sobald man nicht fit genug aussieht oder Fieber hat, wird die Einreise eventuell nicht gestattet.

Es ist Dienstag Früh, unser Flug wurde bisher nicht abgesagt und wir sind soweit wieder fit. Etwas müde sind wir, da wir gestern spät abends erst die Koffer gepackt haben und entsprechend spät ins Bett gekommen sind.

Nach einem gemütlichen Frühstück fahren wir gegen neun Uhr zum Flughafen. Es klappt alles wunderbar. Als wir kurz vorm Check-In Schalter der ANA (All Nippon Airlines) sind, erwartet uns jemand von der Airline mit einem Hinweisschild auf der unsere Flugnummer steht. Eine Schrecksekunde für mich, da ich im ersten Moment dachte, dass der Flug doch noch abgesagt wird. Tatsächlich aber, war hier jemand abgestellt, um den Passagieren zu sagen, wo genau sie sich anstellen sollen. Wir kommen sofort dran, bekommen ein paar Fragen hinsichtlich Coronavirus gestellt und bekommen unsere Boardingpässe ausgehändigt. Es ist geschafft, wir haben noch Zeit und gehen in die Lounge. Jetzt steht unserer Reise nichts mehr im Wege.

Beim Boarding fällt uns wieder das überaus freundliche Personal der ANA auf. Auch die Stewardessen im Flugzeug sind sehr höflich. Es herrscht eine sehr angenehme Stimmung und im Flugzeug sitzen großteils Japaner, die allesamt sehr angenehme Reisebegleiter sind.

Pünktlich um 11:50 Uhr hebt unsere Maschine ab, jetzt sind wir erleichtert.

Wir werden mit japanischem Essen versorgt. Das beste Essen beim Fliegen seit vielen Jahren, ein wahrer Genuss.

Zum Schluss wird uns noch Vanilleeis serviert, ehe die Aussenfenster automatisch abgedunkelt werden und wir so in einen Abendmodus versetzt werden. Wir sehen einen Film und vertreiben uns die Zeit, ehe wir einschlafen.

See you in Kyoto.

https://2-minutes.today/wp-content/uploads/2021/02/2-Minutes-Logo.png 0 0 Manuela und Stefan https://2-minutes.today/wp-content/uploads/2021/02/2-Minutes-Logo.png Manuela und Stefan2020-02-25 20:00:002020-03-03 13:27:03Letzte Vorbereitungen und Abreise nach Tokio
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