2. Tag in Kyōto

Eigentlich wollten wir heute Früh sehr zeitig in den Bambuswald Arashiyama fahren. Nachdem wir gestern Abend aber erfahren haben, dass man im Moment zu jeder Tageszeit hinfahren kann, da es auf Grund der Virushysterie keinen Ansturm von Touristen gibt, haben wir keine Eile. Als es dann auch noch ein wenig zu regnen beginnt, verschieben wir den Besuch auf morgen. In der Boulangerie Shinshinto in der Nähe genießen wir köstliches Frühstück und planen währenddessen unsere Tour für den heutigen Tag.

Wir starten mit dem Fushimi Inari Schrein.
Der faszinierenden Schrein wurde im 8. Jahrhundert dem Reis- und Sakegott gewidmet. Durch die Hügel windet sich ein zauberhafter, scheinbar unendlicher Weg durch 5000 leuchtend orangene Tore, die sogenannten „Torii“.

Das macht diesen Schrein zu einem der beliebtesten in ganz Japan. Beim Spaziergang durch die höheren Ebenen sieht man auch zahlreiche Kleinschreine, Friedhöfe und Fuchsstatuen am Weg.

Der Fuchs wird als Bote des Getreidegottes Inari angesehen. Die Schlüssel, die die Füchse oft im Maul tragen, stellen die Schlüssel zu den Getreidespeichern dar. Dieser Schrein ist das zentrale Heiligtum für die insgesamt rund 40.000 Inari-Schreine in ganz Japan. Der Spaziergang entlang der Toriis erweist sich als richtiges Workout.

Wir bringen einige Kilometer hinter uns und unsere Fitness App verrät uns, dass wir insgesamt 66 Stockwerke bewältigt haben. Aber selbst die Mädchen und Frauen in ihren Kimonos und den Schlapfen zappeln die vielen Stufen entlang.

Jetzt wird es Zeit aufzubrechen, da wir uns für eine Tea Ceremony um 15:30 Uhr angemeldet haben. Wir nehmen zuerst den Zug zurück nach Kyōto und treffen auch hier wieder viele freundliche Menschen.

Als wir umsteigen, um den Bus zu nehmen, erfahren wir, das dieser heute nicht wie erwartet fährt. Wir sind schon knapp dran und nehmen ein Taxi. Unsere erste Taxifahrt in Japan. Die Hintertüre öffnet automatisch und die Sitze sind mit Spitzendecken überzogen. Ein witziger Anblick. Der Fahrer trägt Handschuhe und einen Mundschutz, um sich vor dem Coronavirus zu schützen. In Kyoto tragen rund 80 Prozent der Leute einen Mundschutz. Es entsteht dadurch ein seltsames Bild.

Pünktlich kommen wir im Teehaus an und erfahren, dass wir die einzigen sind. Eine private Tea Ceremony, so mögen wir das. Die Teezeremonienmeisterin erklärt uns einiges über die Entwicklung des Tees und dessen Zubereitung.

The way of tea or 茶道 umfasst die nachfolgenden 4 Prinzipien:

Harmony 和 (wa)
Respect 敬 (kei)
Purity 清 (sei)
Tranquility 寂 (jaku)

Ausserdem lautet der Leitsatz: Everyday is a good day.

Dieses Gefühl haben wir schon seit unserer Ankunft. Wir sind bisher nur auf positive und freundliche Menschen getroffen.

Die Meisterin bereitet uns Matcha Tee zu und erklärt uns genau, welche Verhaltensregeln dabei einzuhalten sind.

Sie erzählt uns auch, dass sie seit 5 Jahren die Ausbildung zur Teezeremonienmeisterin macht und diese noch weitere 5 Jahre andauern wird. Am Ende der Session bereiten wir noch selbst eine Tasse Matcha Tee zu. Inzwischen ist es 16:30 Uhr, wir haben seit dem Frühstück nichts gegessen. Die Meisterin empfiehlt uns ein Sushi Lokal in der Nähe.

Zuvor möchten wir aber noch schnell den Goldenen Tempel „Kinkakuji“ ganz in der Nähe des Teehauses besichtigen. Während der Teezeremonie wurde die Sonne vom Regen abgelöst und es ist deutlich kälter. Wir lassen uns davon aber nicht abhalten und gehen das Tempelgelände ab.

Der Tempel ist mit Blattgold verkleidet, welches heute zum Schutz des Gebäudes fünf Mal so dick ist wie ursprünglich. Außerdem ist der Tempel für seine drei unterschiedlichen Baustile und den angrenzenden Spiegelteich bekannt, der mehrere kleine Inseln und Felsen umschließt.

Durchgefroren machen wir uns zu Fuß auf den Weg zu dem Sushi Restaurant hajime. Wir sind die einzigen Gäste und verstehen uns von Beginn an gut mit dem Chef.

Nori ist ebenfalls Weinliebhaber und erzählt uns stolz, dass er demnächst wieder nach Frankreich reisen wird. Er zaubert vor uns ein mehrgängiges Überraschungsmenü zu.

Dieses Sashimi und Sushi löst eine Geschmacksexplosion am Gaumen aus. Es ist nicht vergleichbar mit Sushi in Europa. Die Japaner verwenden keinen Lachs für das Sushi, nehmen auch nur wenig Reis und nur ganz wenig Sojasauce, wobei nur der Fisch ein wenig damit benetzt wird, keinesfalls darf der Reis darin getunkt werden. Es kommen noch zwei weitere Japaner dazu und so unterhalten wir uns den restlichen Abend mit Ihnen und bekommen erstklassige Tipps für unsere nächsten Ziele auf unserer Reise. Dieser Abend wird uns ewig in Erinnerung bleiben.

Kombanwa Kyōto

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