Mount Aso – Kumamoto

Nach dem morgendlichen Besuch im Onsen, diesmal im schönen Aussenbereich, starten wir die Weiterreise Richtung Kumamoto, auf die andere Seite der Insel Kyūshū. Strahlender Sonnenschein und weitaus weniger Wind als noch gestern. Wir fahren vorbei, an gelb blühenden Feldern, die aussehen wie die Rapsfelder bei uns und auch die Magnolienbäume zeigen sich in voller Blüte.

Wir fahren auf gut Glück zur Fähre und bekommen noch Platz auf der nächsten, die in knapp 30 Minuten ablegen wird. Wir verbringen die Überfahrt an Deck und beobachten die Möwen und die Fischer, die ihre Netze im Meer ausbreiten. Unfassbar viele Netze sind hier ausgebreitet. Hier wird in ganz anderen Dimensionen gefischt.

Etwas später unterbrechen wir die Fahrt, da wir noch zum Mount Aso fahren, dem größten aktiven Vulkan in Japan, etwas östlich von Kumamoto. Die Caldera zeigt sich in einer Größe von 25 Kilometern mal 18 Kilometern und besteht aus mehreren Vulkankegeln, die darin entstanden sind.

Der einzige aktive Krater ist der Nake-dake, in dem sich ein See gebildet hat. Wir können allerdings nicht ganz zum Krater hin, da der Vulkan seit ein paar Tagen wieder aktiv ist und daher einen Kilometer davor eine Sperre errichtet wurde, da die Gase für den Menschen aus nächster Nähe zu gefährlich sind.

Im September 2015 kam es zum bisher letzten Ausbruch. Im Oktober 2016 bildete sich eine 11 km hohe Aschensäule. Die Medien warnten damals vor heftigem Aschenregen, der vom Vulkan aus bis zu 30 km weit in den Nordosten reichte. Leichterer Aschenregen fiel in bis 250 km Entfernung. Eine unvorstellbare Reichweite und dennoch mögen die Einheimischen den Vulkan irgendwie doch, weil er ein Magnet für Touristen ist. Unweit vom Mount Aso, ragt der Vulkan Komezuka aus dem Boden. Aufgrund seiner Optik wird er auch „Rice bowl“ genannt. Der Komezuka und das gesamte Gebiet rundum ist mit Gräsern überwachsen. Um diese Jahreszeit sieht es aus, wie ein großer, weicher Polster.

Am frühen Abend kommen wir in Kumamoto an. Die Stadt mit rund 740.000 Einwohnern ist bekannt für die vielen Restaurants und Bars. Als wir uns ins Getümmel schmeissen, merken wir erst, wie sehr uns schon nach dem Stadtleben war und wie ausgehlustig wir sind. Es ist nicht zu glauben, wie viele Lokal hier sind. Allerdings gibt es nicht nur jene, die von der Straße aus zu begehen sind, sondern gibt es in jedem Gebäude in den Obergeschossen noch weitere Lokale, die ziemlich versteckt sind und erst einmal gefunden werden müssen. Wir sind damit fast überfordert und marschieren eine Zeit herum, bis wir ein Restaurant finden, welches typische Speisen aus Kumamoto anbietet. Es war wieder so ein „Schuhe auszieh’“ Restaurant. Irgendwie ist es ein witziges Gefühl, wenn man mit Strümpfen durch das Lokal geht.

Stefan stößt bei seiner weiteren Recherche nach einer Bar auf ein Nationalgetränk der Insel Kyushu, namens Shōchū. Nachdem uns dieses völlig unbekannt ist, gehen wir in die „Glocal Vibes Bar“, die ausschließlich Shōchū ausschenkt. Es nimmt einige Zeit in Anspruch, bis wir die Bar endlich im 3. Stock eines nach Wohnhaus aussehenden Gebäudes finden. Dort werden wir herzlich empfangen und der Chef, ein junger Japaner und auch ein anwesender Freund von ihm spricht sehr gutes Englisch. Es tut gut, uns endlich wieder mal mit Einheimischen unterhalten zu können. Leider sprechen sehr viele Japaner nicht oder kaum Englisch.

Nori der Barchef erzählt uns, dass eigentlich alle in der Schule Englisch lernen, nur sprechen es die wenigsten, weil sie Angst haben, Fehler zu machen. Er erzählt uns auch, dass der Name der Bar „Glocal“ ein Mix aus „global“ und „local“ ist. In Japan sieht man in den Supermärkten nahezu nur nationale Produkte. Ihm ist es ein großes Anliegen, dieses Nationalgetränk am Leben zu erhalten, gleichzeitig ist er aber auch ein Freund der Globalisierung.

Die beiden fragen uns, welche Orte wir in Japan besuchen werden und sind sehr überrascht, als sie hören, dass wir außer Kyōto, Osaka und Tokio auch noch weitere Stationen geplant haben. Die meisten Touristen bewegen sich hauptsächlich in diesen Städten und selbst viele Japaner waren noch nicht in Kōya-san, Kyūshū oder im Süden auf den Inseln Japans. Wir haben während unserer Reise fast immer diese Reaktion auf die Frage unserer Route erlebt. „It’s far away, ohhhh“ und sofort wird die Information an die anbei Sitzenden auf japanisch übersetzt.

Er macht mit uns eine Shōchū Verkostung. Bei diesem Getränk handelt es um ein durch Destillation gewonnenes alkoholisches Getränk, ähnlich dem Branntwein, nur kann man dieses nicht nur pur oder mit Eis, sondern auch mit Wasser gemischt und warm trinken. Wir sind beide keine Schnapstrinker und können daher auch dem Shōchū kaum etwas abgewinnen. Dafür hatten wir aber einen sehr netten und unterhaltsamen Abend mit Nori und seinem Freund.

Gute Nacht Kumamoto

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