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Blog - Aktuelle Neuigkeiten
Du bist hier: Startseite1 / Japan 20202 / Kōya-san

Kōya-san

1. März 2020/0 Kommentare/in Japan 2020/von Manuela und Stefan

Gleich nach dem Frühstück, holen wir unser Mietauto ab. Wir werden darauf hingewiesen, dass man in Japan auf den Straßen nicht parken darf. Tut man es doch, muss man mit einer Strafe von rund 250 Euro rechnen. Es ist uns schon die letzten Tage aufgefallen, dass die Autos nur auf den Farbahnen zu sehen sind. Ich glaube mich daran erinnern zu können, dass mir eine japanische Urlauberin mal erzählt hat, dass man in Japan ein Auto nur dann kaufen kann, wenn man einen Parkplatz vorweisen kann.

Das Fahren im Linksverkehr ist anfangs amüsant, aber wir gewöhnen uns sehr rasch daran und nach drei Stunden Fahrt und einer ewig langen Serpentinenstraße, kommen wir in Kōya-san am heiligen Berg an.

In unserem Tempel Eko-In empfängt uns ein Mönch freundlich und informiert uns über die Gepflogenheiten und die Aktivitäten im Tempel.

In Kōya-san gibt es in der Zwischenzeit nur noch rund 115 aktive Tempel, wobei etwas über 50 davon auch für Touristen bewohnbar sind. Die Siedlung ist ein einflussreiches Zentrum der buddhistischen Shingon-Lehre.

Wir beziehen unser Zimmer, dessen Mittelpunkt der Teppich in der Mitte des Zimmers darstellt. Auf diesem wird gefrühstückt, zu Abend gegessen und auch geschlafen. Das WC ist am Gang und es gibt ein Gemeinschaftsbad (Onsen), welches zu fixen Zeiten jeweils in der Früh und am Abend benützt werden darf.

Im Wintergarten unseres Zimmers machen wir gleich mal heißen Tee. In den Räumlichkeiten ist es überall sehr kalt. Die Häuser sind nicht isoliert und die Außenwände sehr dünn. Das gesamte Haus verfügt über Schiebetüren, wobei die Aussentüren genauso filigran sind wie die Innentüren, deshalb ist es sehr schwer, die Räume zu beheizen. In den Wohnräumen stehen überall Heizstrahler, die auf Hochtouren laufen. Am besten, man setzt sich in die Nähe eines solchen, denn auch von den Wänden strahlt Kälte ab.

Ein Mönch bringt uns auf Anfrage Bögen mit Herz-Sutratexten, die wir mit Pinsel und Tinte nachzeichnen können.

Das Herz-Sutra wird auch als Zusammenfassung der Prajñāpāramitā-Literatur betrachtet, einer sechshundertbändigen Bearbeitung der Lehre Buddhas.

Am späteren Nachmittag wird im Meditationtempel meditiert, da möchten wir pünktlich sein. Wir nehmen am Meditationspolster am Boden Platz und bekommen eine kurze Einführung von einem Mönch. Eine große Herausforderung stellt das Sitzen im Schneidersitz und auch die Konzentration dar. Wir sollen mit halbverschlossenen Augen beim Ein- und Ausatmen bis 10 zählen, wobei man durch die Nase einatmen und bei den ersten drei Atemzügen durch den Mund ausatmen soll, die weiteren sieben nur durch die Nase. Diesen Vorgang wiederholen wir während der gesamten Meditation, jeder für sich. Das klingt einfach, stellt sich dann aber doch als schwierig dar, weil sich immer wieder Gedanken von aussen im Kopf breit machen. Nach einer halben Stunde ist die Meditation beendet und wir gehen durchgefroren zurück aufs Zimmer, wo auch gleich das Abendessen serviert wird. Der Tisch wird weggeschoben und das Essen am Teppich angerichtet. Es sieht toll aus und schmeckt auch recht gut.

Nach dem Essen bringen die Mönche die Matratzen und die Bettwäsche ins Zimmer.

Dann ist es auch schon Zeit, um zur Nachtwanderung zum nahegelegenen Friedhof Okunoin aufzubrechen.

Kōya-san ist 3 Kilometer lang und nur 2 Kilometer breit. Der Okunoin nimmt einen Großteil der Stadt ein und ist ein Wald aus zweihunderttausend Grabstätten und trägt zur mysteriösen Aura des Bergs Kōya bei.

Die Stimmung der Nacht wirkt sich da noch verstärkt aus.

Auf diesem Friedhof steht das Mausoleum von Kôbô Daishi, dem Begründer des japanischen Shingong Buddhismus.

Unzählige Legenden spinnen sich um seine Existenz und viele glauben, dass er noch am Leben sei und in den Tiefen des Friedhofs meditiere. Auf dem Friedhof gibt es eigens eine Küche, in der die Mönche täglich frisches Essen für Kôbô Daishi zubereiten.

Wieder zurück im Tempel gehen wir noch ins Onsen. Ein Gemeinschaftsbad, getrennt zwischen Männer und Frauen.

Man sitzt nebeneinander auf einem Hocker und duscht sich erst einmal ab. Anschließend geht man in das Becken mit sehr heißem Wasser. Die Temperatur ist in dem Fall sehr angenehm, da wir seit unserer Ankunft im Tempel frieren. Nach dem ersten Bad im Wasser, setzt man sich nochmals zum Duschen auf den Hocker, seift sich ordentlich ein, duscht sich nochmals ab und setzt sich anschließend nochmals ins heiße Becken. Nach dem Verlassen des Beckens beim zweiten Mal, soll man das Wasser nicht mehr abwaschen. In unsere Kimonos gewickelt gehen wir durch die eisigen Gänge zurück in unser Zimmer und freuen uns auf die dicken Federdecken.

Gute Nacht, Kōya-san

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https://2-minutes.today/wp-content/uploads/2021/02/2-Minutes-Logo.png 0 0 Manuela und Stefan https://2-minutes.today/wp-content/uploads/2021/02/2-Minutes-Logo.png Manuela und Stefan2020-03-01 22:00:002020-03-07 04:01:05Kōya-san
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