Am Vormittag machten wir uns mitsamt den Trolleys auf den Weg raus aus der Altstadt. Unterwegs kauften wir uns noch ein Lassi und während wir dieses genüsslich konsumierten wurden zwei Leichen an uns vorbei getragen, eingewickelt in orange goldene Tücher und mit Blumen geschmückt.

Lassi

Auch heute nehmen die Feuerbestattungen am Ganges ihren Lauf. Während wir fast schon das Ende der Altstadt erreicht hatten, wurde noch eine weitere Leiche an uns vorbei getragen. Der offene Umgang mit dem Tod ist für uns ungewohnt. Zumal die Menschen, die die Leichen tragen Familienmitglieder sind, man allerdings keine traurige Stimmung in deren Gesichtern erkennen kann. Was der Glaube an die Reinkarnation ausmacht.

Die Altstadt endlich hinter uns gelassen, besuchen wir noch ein Restaurant und verbringen die Zeit dort im Freien, bis wir dann am Nachmittag mit dem Tuk Tuk zum Flughafen fahren.

Tuk Tuk

Der Tuk Tuk Fahrer war wieder einer der Sorte „No Brain, just cool.“ Dementsprechend ist er mit uns gerast. Zu Beginn war es noch sehr unterhaltsam, doch irgendwann haben wir nur noch gehofft, dass wir am Ende der Fahrt zumindest ohne offene Verletzungen aussteigen, wegen der erhöhten Infektionsgefahr wäre es gewesen. Anstatt einer Stunde Fahrtzeit, die man üblicherweise zum Flughafen braucht, hat es unser Fahrer trotz erhöhtem Verkehrsaufkommen in exakt 45 Minuten geschafft.

Nachdem wir nun Zeit gewonnen hatten, mussten wir wieder eine Teepause einlegen, it’s a lazy day today. Beim anschließenden Check-In erfuhren wir, dass unsere Maschine 30 Minuten später als geplant abheben wird. Als dann das Boarding näher rückte, behielten wir die Anzeigetafel gut im Auge, nur wie bereits beim letzten Flug stand immer nur „Security“ neben unserer Flugnummer. Wir lassen uns ja ohnehin nicht leicht aus der Ruhe bringen und warteten noch zu. Unsere zuletzt genannte Abflugzeit rückte immer näher und näher bis dann plötzlich die Gate Nummer auf der Anzeigetafel zu sehen war. Beim Gate angekommen, waren unüblich viele Leute angestellt. Plötzlich war auch ein weiterer Flug auf der Tafel zu sehen. Jetzt waren also die Passagiere, die wie wir nach Delhi und jene, die nach Mumbai fliegen wunderbar durcheinander gemischt. Auch das war noch zu wenig, um uns unruhig werden zu lassen. Erst als unser Flug dann plötzlich nicht mehr angezeigt wurde und das Personal vorne am Schalter gerufen hat, dass hier das Boarding für Mumbai vonstatten geht, waren wir doch etwas skeptisch. Wir fragten uns durch und bekamen dann irgendwann doch die information, dass wir einfach an der Seite warten sollen bis Mumbai abgefertigt ist, denn dann erst kommt Delhi dran. Wirklich sehr spannend, da es sich hierbei sogar um unterschiedliche Fluglinien handelte. Es verstrich ein wenig Zeit und wir liefen quer über den Flughafen zu unserer Maschine. Die Passagiere, die nach Mumbai wollten, waren auch noch am Feld unterwegs und so geschah es, dass plötzlich ein Passagier der anderen Maschine bei uns stand. Zum Glück wird hier mehrfach kontrolliert, schafft nicht nur Arbeitsplätze, sondern macht vor allem in Indien Sinn. Aber wer glaubt, dass das für große Aufregung gesorgt hat, der irrt. Mit der Information, dass er sich bei der falschen Maschine befindet und mit einer kurzen Handbewegung wurde er zurück geschickt.

Mit mehr als einer Stunde Verspätung landeten wir dann in Delhi. Bei uns saß eine Inderin mit ihrem Kleinkind, die in Hongkong lebt. Sie unterhielt sich während des Fluges mit Manuela und gab uns den Tipp mit der Metro zum Hotel zu fahren. Der Tipp war Gold wert, so waren wir uns sicher uns eine weitere Abzocke durch Taxifahrer zu ersparen und verkehrsbedingt sicher schneller in der Stadt zu sein.

Gesagt, getan und schon waren wir in der Metro, die nicht nur sauber war, sondern auch noch eine schnelle Verbindung für knapp einen Euro ins Stadtzentrum zustande brachte. Dort nahmen wir ein Tuk Tuk, um rasch zum Hotel zu kommen. Der Fahrer unterhielt sich sehr nett mit uns und blieb dann plötzlich auf einem Parkplatz vor zwei Schranken stehen. Zwei Securitymänner erklärten uns, dass wir hier nicht weiterfahren können und so auch nicht zu unserem Hotel kommen, da im Moment Wahlen sind und die Regierung die muslimische Zone gesperrt hat. Es ist für Touristen sehr gefährlich, sobald sie sich in diese Gegend begeben. Die Gefahr, dass man überfallen und ausgeraubt wird, ist groß. Wir hätten aber die Möglichkeit bei einer Stelle vom Government einen Security Pass für 50 Rupien pro Person ausstellen zu lassen. Der Fahrer wollte uns zu diesem 10 Minuten entfernten Platz bringen. Wir waren allerdings schon skeptisch und als Manuela beim Hotel angerufen hat, ließ er uns beim Bahnhof wieder aussteigen und wollte sein Geld. Der Bahnhof war keine 50 Meter von der Metrostation entfernt, wo wir 10 Minuten davor eingestiegen waren. Das Geld hat er natürlich nicht bekommen. Jetzt hieß es quer durch den Bahnhof und auf der anderen Seite wieder raus. Nur einen indischen Bahnhof kann man nicht einfach schnurstracks durchqueren. Man muss erst mal einen Weg finden, viele Stufen rauf rennen, durch eine Securityzone, bei der das Gepäck gescannt wird, an hunderten Obdachlosen, die am Boden schlafen vorbei und irgendwann wieder die vielen Treppen hinunter laufen.

Railway station

Men sleeping in station

Endlich beim Bahnhofsausgang angekommen, sind wir weiter durch dreckige Schotterstraßen, vorbei an dubiosen Gestalten gegangen. Zwischendurch wurde uns wie bereits in Varanasi zugerufen, ob wir Haschisch oder Gras brauchen. Nach zirka einer Dreiviertelstunde Fußmarsch sind wir dann endlich im Hotel angekommen. Wir hatten das Executive Zimmer gebucht, nachdem wir nach dem vielen Dreck in Varanasi eine schönere Unterkunft wollten. Es war bereits Mitternacht, als wir ins Zimmer gebracht wurden und wir trauten unseren Augen nicht. Vor uns hatten wir ein versieftes, grausliches Zimmer, nur das WLAN funktionierte – reife Leistung.
Manuela machte schnell den Bettwanzentest auf der Matratze, der zumindest gut ausgefallen war. So saßen wir am Bettrand und waren uns schnell einig, ein anderes Hotel in der Stadt zu suchen. Stefan fand rasch eines, Manuela rief gleich dort an und schon saßen wir im nächsten Tuk Tuk zum nächsten Hotel. Wir wurden super nett mit einem Welcome Drink empfangen und nachdem wir von unserem schlechten Erlebnis erzählt haben, wurden wir sogar ins Deluxe Zimmer upgegraded. Herrlich, jetzt haben wir uns eine Dusche im ersten Zimmer in Indien mit europäischen Standard (ca. ***) verdient.

Erwachen im Hardcore Indien.

Bei Sonnenaufgang machten wir uns auf den Weg zum Ganges, um einer Feuerbestattung beizuwohnen.

Good Morning, Varanasi

Unser Eindruck von gestern konnte heute Früh trotz Sonnenschein nicht entschärft werden. Vorbei an Kackhaufen und Lacken und sonstigem Dreck, gingen wir zum Ghat.
Kaum angekommen, wurden wir natürlich schon vom ersten Helfer angesprochen. Dreckig, abgesandelt und unter Drogen wollte er uns erklären, dass er für die Vorbereitung der Leichen zuständig ist und dann plötzlich zeigte er auf ein leeres und für den Abbruch bereitstehendes Haus, welches angeblich das Hospital sein soll, welches zu unserer Überraschung von ihm gemanaged wird. Er redete non-stop auf uns ein und selbst als wir schon unhöflich waren, wollte er nicht stoppen. Irgendwann kam dann zum Glück ein weiterer Tourist, auf den er sich stürzen konnte.

Die Beisetzungen bei uns, aber der Dreck rundum löste bei uns ein eigenartiges Gefühl aus.

Es ist verboten Fotos zu machen, es gibt davon allerdings Videos auf YouTube zu sehen. Der Beitrag unten zeigt Aufnahmen von jener Stelle, wo wir heute waren.

Wir gingen zurück zum Hotel und ruhten uns bis zum Frühstück aus. Danach machten wir uns auf den Weg ins Zentrum, haben diesmal aber die Ghats ausgelassen und stattdessen die schmalen, engen Gassen gewählt.

Narrow alleys

Unser erstes Ziel war der Shri Kashi Vishwanath Tempel, einer der bekanntesten Shiva Tempel Indiens, wo hunderte Inder mit deren großzügigen Gaben auf den Einlass warteten. Wir mussten bis auf den Reisepass und die Geldbörse alles in einen Spind geben. Der Gedanke daran, dass wir die teure Fotoausrüstung zurück lassen mussten, machte uns etwas nervös. Wir legten unsere pessimistischen Gedanken ab und wurden auch gleich aufgefordert, einen Korb mit Gaben zu kaufen, der neben Ketten aus Blüten auch Pulver für die Tika und Zuckerperlen beinhaltete. Vorbei an jeder Menge Einheimischen landeten wir schließlich bei der Security, die uns mitteilte, dass der Tempel soeben geschlossen hat und erst in einer Stunde wieder öffnet. Irgendwie schafften wir es dann doch gleich hinein und gaben uns der indischen Bürokratie hin. Drei Beamte baten uns um die Reisepässe und forderten uns auf hinzusetzen. Es vergingen einige Minuten ehe uns aufgetragen wurden unsere Schuhe auszuziehen und in den Tempel weiterzugehen. Wieder vorbei an hunderten Menschen, die geduldig auf den Einlass in knapp einer Stunde warteten.

Der Boden am Tempelgelände war nass und schmutzig und vermischte sich mit einer Flüssigkeit die aus Müllsäcken geronnen kam. Es war ein entsprechender Geruch in der Luft. Wir wurden in einen kleinen Tempel geschoben in dem uns von heiligen Männern ein Teil der Gaben abgenommen und wir mit einem Tika (Stirnmal) belohnt wurden. Nur was sollten wir jetzt mit den restlichen Opfergaben tun? Doch schneller als wir schauen konnten, war auch schon ein Helferlein zur Seite und schob uns in den nächsten kleinen Tempel, wo wir ein Hindi Gebet nachsagen mussten und ein weiters Stirnmal erhielten. Im nächsten Raum wiederholte sich das und unser Helfer feuchtete seine Hand mit dem Wasser vom Boden an und verwischte großzügig die Farben auf unserer Stirn. Inzwischen war die Farbe nicht nur im Gesicht sondern auch auf unseren Armen und der Kleidung verteilt. Im Freien bei der nächsten Gebetsstelle angelangt, mussten wir ein weiteres Gebet nachplappern. So, endlich alle Gebete abgeschlossen! Hastig schob er uns aus dem Tempelgelände raus, um unsere Schuhe und Wertgegenstände abzuholen, schließlich galt es sein Trinkgeld für seine außerordentliche Leistung einzustreifen. Draußen stand immer noch eine sehr lange Menschenschlange.

Tika

Nun brauchten wir erst mal eine Pause. Wir kehrten für ein erfrischendes Getränk ein und desinfizierten gleich mal unsere Füße. Danach im südlichen Teil der Altstadt unterwegs, wirkte Varanasi freundlicher auf uns.

Hello!

Selling boxes

Im Lonely Planet war eine nette Bäckerei beworben, die wir anschließend aufsuchten. Da zu wenig Platz war, wurden wir zum Tisch eines deutschen Backpackers gesetzt. Wir führten eine sehr nette Unterhaltung mit ihm und gingen im Anschluss noch gemeinsam essen. Jan ist schon über 2 Monate vorwiegend alleine in Indien unterwegs und wir konnten unsere Erfahrungen austauschen.

Anschließend machten wir uns entlang der Ghats zu einer Ayurveda Apotheke auf, die aber leider geschlossen hatte.

Ghats

Man washs whatever

Cricket

Die gewonnene Zeit nützten wir für eine Kaffeepause und gönnten uns, für indische Verhältnisse, einen relativ guten Espresso. Natürlich standen auch heute wieder die täglichen Selfies am Programm.

Selfie

Selfie

Am Abend ging es an den Ghats entlang in Richtung Hotel, wo wir noch das bunte Treiben einer Veranstaltung beobachten konnten.

Music festival

Music festival

Holy Dreckfink

Obwohl Varanasi sehr eindrucksvoll ist, lässt es in uns Sehnsucht nach Europa aufkommen – Sauberkeit, nicht permanent als Geldquelle betrachtet zu werden, kaltes Wasser aus der Leitung, gute Gerüche, sich allein unbehelligt als Frau bewegen zu können.

Die Dusche im Zimmer war eine Wohltat.

Namaste Jodhpur.
Nach dem Frühstück fahren wir mit dem Tuk Tuk zum Flughafen. Der Flughafen in Jodhpur ist schnuckelig klein und sauber. Wir hatten noch jede Menge Zeit bis zum Abflug nach Dehli. Aber unserer bisherigen Erfahrung nach, muss man in Indien immer einen großzügigen Sicherheitspolster einrechnen.

Wir warteten auf das Boarding, aber es tat sich nichts. Zwischendurch fragten wir einen Flughafenangestellten, ob wir überhaupt richtig sind. Er vertröstete uns mit knappen Worten und bat uns wieder hinzusetzen. Eines haben wir in Indien sicher gelernt: Geduld haben.

Irgendwann wurde ein – oder besser gesagt der einzige – Schalter für das Boarding geöffnet. Nur war dort auf einem Schild eine ganz andere Flugnummer zu lesen. Auch auf der digitalen Tafel war für unseren Flug nach wie vor „On Time“ zu lesen. Auch bei den Durchsagen war nicht unsere Flugnummer rauszuhören. Also hieß es weiter warten. Es kam uns dann doch eigenartig vor, zumal unsere Maschine in Kürze abheben sollte. Wir gingen zum Boarding und fragten, ob es denn auch unseren Flug betrifft. Die Hostess winkte uns hastig durch und schon waren wir im Flugzeug. Wir überlegten, wie viele Passagiere hier Tag für Tag ihre Flüge auf Grund von fehlenden beziehungsweise falschen Angaben verpassen.

Nach 2:40 Stunden landeten wir in Dehli und hatten nun fast 4 Stunden Zeit bis zum Anschlussflug nach Varanasi. Ein schöner Flughafen und sehr sauber, sind wir wirklich noch in Indien?

Airport New Delhi

Wir marschierten gemütlich in die Plaza Premium Lounge und versorgten uns mit Essen und Masala Chai.
Für 18:35 Uhr war unser Boarding geplant. Rechtzeitig verließen wir die Lounge. Ein sechster Sinn sagte uns, unser Gate nochmals zu überprüfen. Tatsächlich wurde es geändert. Musste ja so sein, schließlich gab es heute noch keinen Zwischenfall. Beim Gate angekommen, war bereits der Aufruf für unseren Flug zu hören und wir wurden per Handzeichen aufgefordert, rasch zu unserer Maschine zu laufen, da schon alle Passagiere zugestiegen waren. Ein Blick auf die Uhr bestätigte uns, dass wir sogar noch ein paar Minuten vor dem geplanten Boarding beim Gate waren. Seltsam, aber mit uns kann man es ja machen 😉. Wir verbrachten dann noch eine geschlagene Stunde im Flugzeug bis wir endlich Richtung Varanasi abhoben.

Wir haben uns in den letzten fast zwei Wochen an sehr vieles gewöhnt und scheuen auch nicht tagtäglich einige Hände zu schütteln. Nur an das Rotzen und Aufziehen, welches hauptsächlich von den Männern hier mit voller Hingabe gemacht wird, werden wir uns wohl nicht mehr gewöhnen. Selbst beim Essen hört man ständig jemanden rotzen. Und sie pflegen das allesamt in einer Lautstärke zu tun, die unsere österreichischen Ohren keinesfalls als angenehm empfinden. Sehr grauslich, dass wir das auch erwähnen, aber schließlich sollt ihr unsere Reise so authentisch wie möglich miterleben.

Nach 1:40 landen wir in Varanasi.

Wir rasen mit dem dümmsten Taxifahrer in irrem Tempo und permanentem, meist grundlosem Gehupe nach Varanasi.
Er lässt uns ca. 700 Meter vom Hotel aussteigen, weil es keine Zufahrt zum Hotel gibt. Wir ziehen unsere Trolleys durch unheimliche, dunkle, enge, extrem verdreckte, mit Kuhfladen verzierte und jede Menge Obdachlosen gesäumten Gassen, durch die manchmal noch Motorräder durchbrausten. Im Zick-Zack-Kurs kommen wir nach gut 10 Minuten endlich beim Hotel an. Nachdem wir unser Gepäck im Zimmer hatten, gingen wir noch runter zum Ganges. Vorbei an Stieren, Kühen, Hunden und Obdachlosen machten wir uns mal ein Bild von der Umgebung.

Way to Ganges

Wood for Cremation

Manikarnika Ghat

Soweit wir es bisher einschätzen, ist es die dreckigste Stadt, die wir in Indien gesehen haben. Bosch kurzem Rundgang gingen wir zurück ins Hotel.

Treebo East View Hotel

Jetzt ist Schlafenszeit, denn wir müssen morgen vor Sonnenaufgang raus aus den Federn.

Good Night

Erstes Erwachen in der blauen Stadt.

Blue City

Wir frühstückten in unserem Haveli und machten uns dann zu Fuß rauf zum Fort, ein ziemlich steiler und anstrengender Weg bei der Hitze.

Mehrangarh Fort

Mit Audio Guides ausgerüstet besichtigten wir das Fort. Jetzt könnte man glauben, dass es langsam langweilig sein könnte, wenn man in jeder Stadt ein Fort besichtigt. Aber dieses gefiel uns dann doch am besten, weil es im Vergleich zu den beiden anderen in Agra und Jaipur zwar auch eine sehr martialische Festung ist zugleich aber im Inneren eine sehr angenehme Atmosphäre hat.

Mehrangarh Fort

Mehrangarh Fort

Der Fußweg runter in die Stadt ließ uns wieder auf viele nette Menschen treffen. Es ist für uns immer noch unfassbar, welche Reaktion man hier als Europäer auslöst. Die Kinder laufen uns oft nach uns Fragen, soweit deren Englischkenntnisse reichen.

Nach einer kurzen Stärkung bei Lassi und Fruchtsäften, ging es zu Fuß weiter zum Sardar Markt. Ein Farbenmeer lag vor uns – bunte Früchte und Stoffe, wohin das Auge reichte. Dazu noch die vielen Frauen mit ihren bunten Gewändern. Jodhpur ist bisher die bunteste Stadt auf unserer Reise. Es herrschte wieder Höllenverkehr und Fußgänger mischten sich mit Motorrädern und Tuk Tuk’s. Es ist jedes Mal wieder ein Erlebnis und doch kommt man irgendwie voran und bekommt den täglichen Schwermetallcocktail ab.

Crazy Traffic

Anschließend machten wir uns auf die Suche nach einem Spicy Shop der im Lonely Planet empfohlen wird. Natürlich wäre es nicht Indien, wenn wir am Weg dorthin nicht wieder angesprochen und in eine andere Richtung, nämlich zum Markt für die Einheimischen geschickt worden wären. Denn dort, so sagte uns der Einheimische, wird kein Unterschied gemacht, ob man braun oder weiß ist, alle bekommen den selben Preis. Das war wohl der Witz des Tages, zumal wir es von Beginn an unserer Reise jeden Tag ganz anders erleben. Schon kurz drauf spricht uns ein anderer Inder an, der sich von gestern Abend an uns erinnern konnte, er wusste sogar in welchem Haveli wir untergebracht sind. Da wir gestern bei unserer Ankunft mit so vielen Menschen gesprochen haben, konnten wir uns nicht mehr daran erinnern. Wir fragten nach den M.V. Spices Shop und er gab uns zu verstehen, dass wir in die falsche Richtung laufen. Jetzt muss man sagen, dass die allesamt sehr vertrauenserweckend wirken, in Wirklichkeit muss man aber immer davon ausgehen, dass sie schwindeln und nur darauf aus sind, Provision zu kassieren, wenn sie einen Kunden bringen. So landet man meist in einem ganz anderen Geschäft, als man tatsächlich vor hatte. Aber heute sollte es anders sein. Google Maps sei Dank, landeten wir bei M.V. Spices.

M.V. Spices

Das Geschäft hat eine gewisse Tradition und wird seit dem Tod des Inhabers von seinen 7 Töchtern geführt. Wir wurden sehr nett empfangen und bekamen Tee serviert. Die Gewürze waren alle sehr sauber verpackt, was man von den bisherigen Gewürzläden nicht behaupten kann. Wir konnten einiges verkosten und kauften ein paar Gewürze ein, damit wir künftig noch besseres indisches Curry kochen können.

M.V. Spices

Die junge Frau erzählte uns, wie schwer es ist, als Frau Geschäfte in Indien zu machen. Man wird hier ständig über den Tisch gezogen, aber sie wirkt fest entschlossen, das Unternehmen erfolgreich weiterzuführen.

M.V. Spices
www.mvspices.com
Shop No. 107, Nai Sarak, Jodhpur

Das Familienunternehmen legt großen Wert darauf, beste Ware einzukaufen und entsprechend zu verarbeiten. Wir werden es zu Hause bald testen können.

Um 22 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Fest anlässlich des Fastenbrechen der Frauen. Die ganze Stadt war eine Partyzone und man hatte das Gefühl, dass alle Einheimischen auf der Straße waren. Auf jeder Ecke waren Bühnen aufgebaut und Musik kam in übertriebener Lautstärke aus den Boxen, die regelmäßig übersteuerten und ein furchtbarer Pfeifton ertönte.

Festival

Festival

Wir schüttelten wieder jede Menge Hände und beantworteten auch wieder die obligatorischen Fragen „Where are you from?“, „What’s your Name?“, „Are you married?“. Es fühlte sich an wie Hollywood in Bollywood. Zwischendurch mussten wir uns durch die Menschenmengen wühlen. Wobei ein Grapscher von Manuela ein paar auf die Finger bekommen hat, damit hat er wohl nicht gerechnet. Die Frauen hatten wunderschöne, bunte Kleider an und waren mit verzierten Stöcken ausgerüstet. Nachdem sie jetzt 30 Tage lang gefastet haben, feiern sie heute das Ende der Fastenzeit und dürfen die Männer damit schlagen. Wobei man erwähnen muss, dass die Frauen dabei sehr sanft und vorsichtig waren.

Good Morning Sunshine.

Sunrise

Wir wachten rechtzeitig zum Sonnenaufgang auf. Unser Camel Driver hat bereits Feuer gemacht, um unser Frühstück zubereiten zu können. Seine Schlafstelle – er hat in unserer Nähe am Boden geschlafen – war bereits weggeräumt. Als er merkte, dass wir wach sind, servierte er uns Chai Latte Tee ans „Bett“.

Desert bed

Masala chai with milk

Herrlich wildromantisch war es hier. Rund um unsere Liegen konnten wir abertausende Spuren der großen schwarzen Wüstenkäfer sehen. Womöglich war unsere Anwesenheit eine Sensation für die Krabbeltiere. Aber bis auf unsere Liegen rauf dürften sie es wohl nicht geschafft haben, oder wir haben es nur nicht bemerkt. Stattdessen war einiges anderes Krabbeltier zu Gast bei uns. Aber der Mensch isst im Schlaf angeblich so einiges an Krabbelzeugs. (laut Statistik: 14 pro Jahr)

Der Tee schmeckte köstlich und die Luft am Morgen in der Wüste war sehr angenehm. Unser Frühstück umfasste getoastetes Brot, Marmelade, Bananen, Orangen und 4 hartgekochte Eier. Für die Eier waren selbst wir zu feig, zumal wir das Essen seit gestern mitführten und es keinerlei Kühlmöglichkeit gab. Delhi Belly war ausreichend, eine reinrassige indische Salmonellenvergiftung möchten wir nicht unbedingt zu unseren Urlaubserlebnissen zählen müssen. Aus Höflichkeit dem Koch gegenüber, schälte Manuela zwei Eier und versuchte sie heimlich den Krähen zu füttern. Doch selbst die Vögel wollten diese nicht essen. Ein Zeichen? Schnell vergruben wir die Eier im Sand, ehe unser Koch es sehen konnte.

Wir ritten zurück zum Meeting Point, wo wir in unseren Jeep umstiegen, der uns in unser Homestay zurück brachte. Nachdem Stefan immer noch angeschlagen war, blieben wir dort bis zum Nachmittag und wurden auch nochmal von Sorab bekocht und Stefan mit ausreichend Tee versorgt.

Samar and Sorab

Es hatte heute 44 Grad im Schatten und unsere Handies und unser iPad glühten und schalteten sich teilweise sogar ab.

Kurz nach 16 Uhr ging es per Tuk Tuk zum nahegelegenen Bahnhof. Es war so untypisch ruhig hier und unser Zug stand schon in der Station. Jaisalmer ist halt doch sehr ländlichen und klein. Auch hier konnte man wieder Soldaten sehen. Das Militär ist in Jaisalmer auf Grund der Nähe zum Feind Pakistan – ca. 100 Kilometer Luftlinie – stationiert und sehr präsent. Völlig überrascht, dass wir diesmal scheinbar ohne Zwischenfall und Vorfällen und vorallem ohne Wechsel des Bahnsteiges Zugfahren können, stiegen wir vorsichtig ein. Schnell fanden wir unseren Platz. Diesmal hatten wir die zweite Klasse mit Air Condition gewählt, damit wir dann die meisten Klassen ausprobiert haben. Wir verstauten unsere Koffer unter den Liegen und beseitigten die lausig wirkenden Wolldecken, die man in der zweiten Klasse bekommt. Kaum saßen wir auf den unteren Bänken, begann es schon zu krabbeln. Manuela entfernte mal das erste Getier ohne genau zu schauen worum es sich eigentlich handelt. Aber es dauerte nicht lange und das zweite war schon im Anmarsch. Dabei mussten wir feststellen, dass es sich um Wanzen handelte. Seither liegen ein paar dieser Spezies tot am Boden. Wir kletterten auf unsere Plätze in der oberen Reihe. Stefans Gesichtsausdruck war zum Schreien und unser Bedürfnis uns auf die Liege zu legen war eher gering. Uns kam wieder die vorhin angesprochene Statistik in Erinnerung. Stefan wollte darüber erst nach der Zugfahrt mehr wissen.

Blogger

Die Fahrzeit betrug 5:40 Stunden.
Wir sind hoffentlich ohne Wanzen in Jodhpur ausgestiegen und auf der Fahrt ins Singhvi’s Haveli noch in einem Umzug geraten. Heute und morgen feiern die Frauen nach 30 Tagen Fasten, damit die Männer ein langes und gutes Leben haben. Und an die männlichen Blog Leser: Das führen wir in Österreich sicher nicht ein. (Manuela) Warum nicht? (Stefan)
Wir kamen uns vor wie der König und die Königin, weil uns viele Menschen zuwinkten und andere wieder unsere Hände schüttelten. Wir haben das Tuk Tuk verlassen und sind zu Fuß mit unseren Trolleys durch den farbenfrohen Umzug gut gelaunter Menschen zum Haveli marschiert.

Festival in Jodhpur

Das Haveli ist sehr schön und als wir die obere Terrasse sahen, haben wir gleich unser Zimmer upgegraded.

Terrace

Jodhpur at night